Die auf Fiji ansässige South Pacific Distilleries Ltd. befindet sich in Lautoka und begann 1980 mit der Produktion, um den Bedarf an importierten Spirituosen wie Whisky und Gin zu reduzieren. Da das Land über eine aktive Zuckerindustrie verfügte, die es mit Melasse versorgte, kam es schnell auch zu der Entscheidung, eigenen Rum herzustellen.

Heute ist die Southpacific Distillery eine Tochtergesellschaft der australischen Fosters Group, die 1997 die Willowbank-Destillerie in Neuseeland von Seagram kaufte und ihre Pot Still im selben Jahr nach Fiji verlegte. Neben der Pot Still wird Rum auch auf einer dreisäuligen Column Still destilliert. Wer noch etwas mehr über die Destillerie und die Geschichte der Insel erfahren möchte oder weitere Tests zu verschiedenen Abfüllungen lesen möchte, kann das hier tun.

Diesmal hatten wir fünf sehr spannende Rum-Abfüllungen aus Fiji im Vergleichstest – diesmal von Plantation, The Nectar, Berry Bros. & Rudd, Valinch & Mallet und Good Spirits.

Good Spirits Fiji

Dieser Rum wurde 2003 destilliert und reifte 8 Jahre, bevor er 2011 in Schottland von Good Spirits mit 46%, also auf Trinkstärke verdünnt, abgefüllt wurde.

In der Nase begegnen mir sofort die typischen Fiji-Aromen: Ester, Lösungsmittel, Honig, dazu Beeren, Kiwi, Papaya, Vanille und dezente Raucharomen. Die Verdünnung kann ich hier nicht unbedingt herausriechen, der Rum ist auch mit 46% intensiv und trotz der relativ kurzen Lagerung sehr rund.

Im Mund startet der Rum dann wieder fruchtig, jedoch erinnern mich die Früchte eher an Banane und Zitronenschalen, dazu wieder Lösungsmittel und Raucharomen und ein paar Fassaromen. Anis, Bitternoten, eine Salzigkeit und metallische Aromen komplettieren den Geschmack. Hier merkt man dann die Verdünnung doch ein wenig, von der typischen Honigsüße kann ich hier so gut wie nichts mehr finden und auch der Abgang ist kurz und verwässert.

Durch die Verdünnung wurde leider etwas Potenzial verschenkt, dennoch handelt es sich um einen leckeren Rum, der ein äußerst geeigneter Opener für dieses Tasting darstellt und die gesamte Fiji-DNA beinhaltet.

75 von 100

Valinch & Mallet South Pacific 2004 – 2020

Der V&M wurde 2004 auf der Pot Still destilliert und nach 11 Jahren tropischer und weiteren 5 Jahren kontinentaler Reifung in Fassstärke mit 58,1% abgefüllt. Es sind 277 Flaschen erschienen. Der Rum ist noch für 169,90 Euro erhältlich.

Diese Abfüllung präsentiert sich sofort gänzlich unerwartet. Mir strömen viele Kräuter, Schokolade, Karamell, Holzaromen, etwas Radiergummi und nur eine ganz dezente Fruchtigkeit entgegen.

Auch beim Trinken fühle ich mich direkt an einen Mix aus Foursquare und Belize mit ganz zarten Estern erinnert. Ich finde Schokolade, Karamell, Kokos, Rosinen, Pfeffer und andere Gewürze wie Anis und etwas Nelke. Auch hier tritt die Fruchtigkeit nicht dominant in den Vordergrund. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden.

Der Abgang ist mittellang mit Kakao, Vanille, Holz und leichten Tanninen. Im Blindasting wäre ich niemals auf Fiji gekommen. Ein guter Rum, aber nicht das was ich von dieser Destination erwarten würde. Wenn man den Wunsch nach einem klassischen Fiji-Geschmacksprofil aber bei Seite schiebt kann man damit auch sehr viel Spaß haben. Nur preislich finde ich ihn dann doch etwas zu teuer.

79 von 100

Berry Bros. & Rudd Fiji 2009

Der Rum wurde 2009 auf der Pot Still destilliert und nach 12 Jahre kontinentaler Lagerung wurden 1149 Flaschen mit 58% in Fassstärke abgefüllt.

Hier ist wieder eindeutig Fiji im Glas, Lösungsmittel, Honig, Früchte – diesmal Kirschen und Himbeeren – bilden die erste Nase. Dahiter finde ich Vanille, junges Holz, Rauch und Mineralien. Sehr spannende Nase die mir sehr gut gefällt.

Auch der Antrunk steht der Nase in Nichts nach und macht sofort Freude. Ausgeprägte Vanille und süßes Gebäck, das mich unweigerlich an Vanillekipferl denken lässt, bilden den Start, danach folgen wieder Kirschen, Mineralien, Pfeffer und angenehme Fassnoten. Der Berry Bros. ist sehr rund, sehr gut gereift und toll balanciert. Auch der Alkohol ist sehr gut eingebunden.

Auch der lange Nachgeschmack bleibt honigsüß-vanillig mit dezenten Estern und Beeren. Ein sehr schöner Vertreter und ein sehr entspannt zu trinkender Fiji-Rum.

82 von 100

The Nectar Fiji 2009

Der The Nectar ist ebenfalls aus dem Jahr 2009 und wurde auf der Pot Still destilliert. Er wurde 2021 nach 12 Jahren zum 15-jährigen Jubiläum der Serie „The Nectar of the Daily Drams“ in Fassstärke mit 64,6% abgefüllt. Der Preis beträgt 99 Euro.

In der Nase auch wieder typisch Fiji. Fruchtige Mandarine, überreife Banane und Pfirsischkompott geben mit deutlichen Estern, Klebstoff und Lösungsmitteln den Ton an. Kräuter, metallische Aromen und medizinische Noten komplettieren die kräftige Nase mit Ecken und Kanten.

Auch am Gaumen startet der Rum intensiv: tropische Früchte die in Honig und Minze eingelegt wurden, Kräuter, Fassaromen, medizinische Noten. Der Alkohol ist fantastisch eingebunden, braucht aber einen Moment im Glas. Dann schließt sich der holzig-würzige Abgang an, der erstaunlich viele Tannine bereit hält.

Diese Abfüllung ist reif und trotzdem noch wild. Eine fantastische Auswahl des Fasses. Gleiche Punktzahl wie mein bisheriger Favorit, der RA Fiji 2001. Und für den Preis meiner Meinung nach absolut in Ordnung, sofern man sich nicht vom mittelmäßigen Alter leiten lässt.

86 von 100

Plantation Fiji Islands 2001

Der Plantation wurde im Jahr 2001 auf der Pot Still destilliert, dieser Jahrgang gilt für die meisten Fijifreunde als der bisher beste Jahrgang. Der Rum wurde 19 Jahre tropisch gereift und anschließend noch einmal 6 Monate in einem 350 Liter Ex-Cognac Fass in Frankreich gelagert, ein üblicher Vorgang bei Ferrand. Danach wurde der Rum in Fassstärke mit 65,4% abgefüllt.

Holy Moly, nach ein paar Minuten kommt bei diesem Rum richtig was in der Nase an. Die lange tropische Lagerung hat dem Rum sehr gut getan. Volle Breitseite Ester, Klebstoff, rote Beeren, tropische Früchte und Trockenfrüchte werden von ein wenig Minze und Holzaromen umspielt. Die Reife springt mich förmlich an, Alkohol kann ich in der Nase kaum wahrnehmen.

Auch am Gaumen trumpft der Rum satt auf, wobei meine erste Assoziation ein Mix aus Clarendon und Fiji ist. Der Plantation ist reif, rund und intensiv, der Alkohol ist super eingebunden. Getrocknete Früchte, Honig, Kleber, Gummi, Leder, Fassaromen und Vanille sind hervorragend balanciert. Das macht mir richtig Spaß im Glas. Auch der Abgang ist sehr lang und holzig, fruchtig und würzig.

Ein gigantischer Fiji-Rum und der absolute Sieger in diesem Crosstasting. Meine neue Fiji-Referenz, die perfekt zeigt, was diese Destillerie kann.

92 von 100

Cheers!

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