Die weltweit größte Rumdatenbank RumX veröffentlicht ihre nächste Abfüllung. Diesmal in Kooperation mit der Rumbrennerei Savanna von der Insel Reunion im indischen Ozean, der Savanna x RumX. Es sich um einen Grand Arôme. Einen uralten Grand Arôme mit ungewöhnlicher Reifung.
Savanna x RumX
Der Rum wurde 2007 auf einer Savalle Column-Still nach einer Fermentation von bis zu 10 Tagen (manchmal auch bis zu 15 Tagen) aus Melasse und Vinasse destilliert. Der Estergehalt beträgt üblicherweise über 500g/HLAP. Danach reifte der Rum für 17 Jahre in den Tropen in einem Ex-Cognac-Cask. Anschließend erhielt er ein Finish in einem Ex-Armagnac-Cask. Hier fließen dann die Welten von Grape of the Art und RumX zusammen. Nach der Reifung ging es in Fassstärke von 68,7% in 445 Flaschen mit jeweils 700 ml. Der Rum geht am 18.4. in den Verkauf.
Tasting
In der Nase entfaltet sich ein ebenso kraftvolles wie austariertes Aromenspiel: Die Ester springen förmlich aus dem Glas und eröffnen mit einer markanten, fast salzig anmutenden Note von Olivenlake, die unmittelbar von cremigen Anklängen von Joghurt und etwas Lack begleitet wird. Dahinter liegt eine intensive Fruchtigkeit – Erdbeeren, aber angegoren. Kennt ihr den Mieze Schindler Brand von Spiritus Rex? Daran erinnert mich die Fruchtnote, nur hier ist sie intensiver. Das Holz ist sehr präsent, aber ohne die Frucht nur ansatzweise zu überlagern. Es erinnert an eine frisch gewachste, alte Holzkommode. Lakritz schimmert subtil durch. Mit zunehmender Belüftung öffnet sich das Bouquet weiter, eine feine, fast schüchterne Rosinennote zeigt sich.
Am Gaumen setzt sich zunächst das Holz deutlicher durch und prägt den ersten Eindruck mit trockenen und adstringierenden Tönen. Doch schon nach wenigen Momenten tritt die Frucht erneut ins Rampenlicht: Wieder Erdbeeren, flankiert von Zitrusschalen, die eine Säure ins Spiel bringen. Diese fruchtige Säure ist es, die dem Rum seine Dynamik verleiht und ihn vor zu intensiver Schwere bewahrt. Würzige Akzente von Anis und Koriandersamen und etwas Minze durchziehen den Geschmack und verleihen zusätzliche Komplexität.
Der Abgang ist herb und kräuterig, mit einer feinen Adstringenz, die jedoch niemals unangenehm wirkt. Die Tannine sind perfekt eingebunden, tragen das Geschmacksbild und lassen es lange nachklingen, begleitet von einer anhaltenden, sauer-fruchtigen Frische. Besonders hervorzuheben ist die exzellente Alkoholeinbindung: Trotz der Intensität wirkt der Alkohol niemals scharf oder störend, sondern fügt sich nahtlos in das Gesamtbild ein.
-9.2 von 10.0-
Fazit
Dieser Rum wurde offenkundig exakt im richtigen Moment aus dem Fass genommen – ein Punkt, an dem Frucht und Holz in einem idealen Gleichgewicht stehen. Jede weitere Reifung hätte das Gleichgewicht wahrscheinlich zugunsten des Holzes verschoben und die Frische der Frucht beeinträchtigt. So jedoch bewahrt sich der HERR seine Fruchtigkeit, die insbesondere in der Nase eine beeindruckende Intensität erreicht.
Bemerkenswert ist zudem, dass dieser Rum im Blindtasting kaum als Kolonnendestillat zu identifizieren wäre, zumindest nicht für mich – seine aromatische Dichte, die ausgeprägten Ester und die fast wild anmutende Komplexität erinnern vielmehr an charakterstarke Pot-Still-Abfüllungen. Dies spricht für die Qualität des Destillats selbst.
Aber es sei angemerkt: Dies ist kein Rum für Einsteiger! Die Intensität, die ungewöhnlichen Aromen und die Adstringenz fordern Erfahrung und sehr viel Aufmerksamkeit. Doch genau darin liegt auch sein Reiz. Für den geübten und geduldigen Gaumen offenbart sich hier ein eindrucksvolles, vielschichtiges Erlebnis. Eben das was man von einem Grand Arôme erwartet. Hier aber eben noch zusätzlich mit diesem ausgeprägten Holzaroma, das eben nur in einer langen tropischen Reifung entstehen kann.
Cheers!
