Fresh, Great House 2026, Fifteen: Peppie Grant über Hampdens neue Rums

Früher roch Rum für Peppie Grant nach Medizin. Heute erklärt er den Hampden-Funk mit Rock ’n’ Roll und Blues. Ein Gespräch über Fresh, Great House, Pagos und den Fifteen.
Inhalt

Wer Funk im Rum sucht, landet irgendwann bei Hampden Estate in Trelawny, im Nordwesten Jamaikas. Die Brennerei fermentiert lange, arbeitet mit Muck Pits und brennt Rum mit Esterwerten bis an die gesetzliche Obergrenze. Dabei ist Hampden als eigene Flaschenmarke erstaunlich jung. Eigene Abfüllungen gibt es erst seit 2010, gereifte sogar erst seit 2018. Davor verkaufte Hampden seinen Rum vor allem als Bulk-Ware an andere.

Inzwischen holt man einiges nach. Fresh, ein weißer Blend mit 42 statt der 63 Prozent des Rum Fire. Die Great House 2026, erstmals zehn Jahre alt. Pagos Batch 4. Und der Fifteen, die älteste Abfüllung, die Hampden je selbst herausgebracht hat. Ein ordentliches Programm, zumal das Auge von Hurrikan Melissa im Oktober 2025 direkt über die Destillerie zog.

Peppie Grant ist seit 2011 auf Hampden. Davor arbeitete er in einer Apotheke in Kingston, und Rum mochte er nicht einmal riechen. Heute findet er für den berühmten Hampden-Funk musikalische Vergleiche und spricht über den fünfzehnjährigen Rum, als wäre er eine alte Bekannte. Wir haben ihn auf der Whisky Live Germany 2026 in Hamburg zum Interview getroffen.

Zucker & Zeste: Peppie, bevor wir über die neuen Rums sprechen: Wie kommt man eigentlich aus einer Apotheke in Kingston zu Hampden?

Peppie Grant: Das ist eine ziemlich verrückte Geschichte. Die heutigen Eigentümer haben Hampden 2009 gekauft, ihre Hauptgeschäfte saßen aber in Kingston. Ich habe damals in einer Apotheke in Kingston gearbeitet. Dann sind ein Familienmitglied und ich nach Trelawny gegangen, um das Anwesen für die Eigentümer zu betreuen. Kingston liegt im Osten, Trelawny im Nordwesten, das sind zweieinhalb Stunden mit dem Auto. Das war Ende 2011. Ich bin zur Destillerie gefahren und nie wieder weggegangen.

Warst du damals wenigstens schon Rum-Fan, oder musste Hampden dich erst überzeugen?

Peppie: Erst Hampden. Vorher mochte ich Rum überhaupt nicht. Schon den Geruch nicht, der war mir einfach zu medizinisch. Und es gibt Rums, die dir regelrecht in die Kleidung ziehen. Bei Hampden war das anders. Als ich den Prozess gesehen habe, dachte ich: Hm, das ist etwas anderes. Alles natürlich. So hergestellt, dass es mehr ist als nur ein trinkbarer Rum. Sehr aromatisch. Und obendrein bekommst du davon keine Kopfschmerzen und keinen Kater.

Das mit dem Kater verbuchen wir vorsichtshalber mal unter Herstellerangaben. Aber genau das ist deine Antwort, wenn dich jemand fragt, was Hampden so besonders macht?

Peppie: Im Großen und Ganzen: ja.

Du bist seit 2011 dabei. Was hat sich für dich in dieser Zeit am stärksten verändert?

Peppie: Die Reifung, ganz klar. Das Anwesen ist fast 300 Jahre alt, aber mit dem Abfüllen und Reifen ging es erst 2010 los. Das erste abgefüllte Produkt war der Rum Fire, und im selben Jahr haben wir auch angefangen, Rum ins Fass zu legen. 2018 kam der erste gereifte Rum heraus, 2019 der erste Great House. Und jedes Jahr staunst du wieder, was aus diesem Produkt wird.

Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde: Aus Hampden wird gerade eine weltweit gefragte Rummarke?

Peppie: Beim gereiften Rum, ja. Aber unser weißer Rum galt schon immer als etwas Besonderes. Wir reifen zwar erst seit 2010, aber das Unternehmen gibt es seit weit über 270 Jahren. Das sagt viel. Jamaika hatte einmal mehr als 140 Destillerien, heute sind es noch sechs oder sieben. Da fragst du dich doch: Was hat dieser Rum, dass er so lange überlebt hat?

Kommen wir zu den Neuheiten. Der Hampden Fresh ist für eure Verhältnisse ja fast schon brav. Wie kam es dazu?

Peppie: Uns war klar: Den Rum Fire gibst du niemandem, der neu beim Rum ist. Jedenfalls nicht, ohne dir Zeit zu nehmen. Der ist schon etwas extremer, gerade Einsteigern musst du ihn erst erklären. Und da gibt es große Unterschiede: Ist jemand generell neu beim Trinken, neu beim Rum oder neu bei Hampden? Fresh ist deutlich zugänglicher. Bartender, Einsteiger und auch erfahrene Hampden-Trinker können ihn einfach genießen. Sehr elegant, sehr schön in der Nase. Und zugänglich bei diesem Alkoholgehalt.

Deshalb also 42 Prozent? Der Rum Fire bringt immerhin 63 mit.

Peppie: Genau.

Und wie kommt der zugänglichere Hampden bisher an?

Peppie: Überwältigend. Das hatten wir erwartet: Er ist einfach ein wunderschöner Rum.

Auf der neuen Great House 2026 prangt eine Zehn. Was steckt dahinter?

Peppie: Er ist ein Blend aus drei Marks: OWH, LROK und HLCF, alle zehn Jahre gereift. Diese Distillery Edition ist bewusst ein Zehnjähriger, um zu feiern, was wir in diesen zehn Jahren erreicht haben. Alle bisherigen Great Houses waren Blends aus verschiedenen Marks und verschiedenen Jahrgängen. Diesmal stammt alles aus demselben Jahr.

Hampden lebt ja von seinem Funk, diesen wilden, fruchtigen Esteraromen. Was machen zehn Jahre im Fass daraus?

Peppie: Es gibt Rock-’n’-Roll-Funk, und es gibt Blues-Funk. Nach zehn Jahren bekommst du Blues-Funk. Richtig sanft, etwas, wofür du dich hinsetzt, genießt und konzentrierst. Du musst nicht tanzen und nicht headbangen. Blues ist smooth. Wie ein Walzer.

Dann wird bei Hampden mit zunehmendem Alter also weniger geheadbangt. Kommen wir zu Pagos Batch 4. Als Pagos 2022 herauskam, war es ziemlich mutig, Hampden komplett im Sherryfass reifen zu lassen. Warst du nervös, wie die Leute reagieren würden?

Peppie: Ja und nein. Gerade die Reifung ist bei Hampden noch recht neu. Wir wissen, dass wir noch nicht einmal an der Oberfläche gekratzt haben. Also war alles experimentell, ohne zu experimentell zu sein, wenn du verstehst, was ich meine. Es war immer eine Freude: Lass uns diesen Estergehalt mal in dieses Fass legen und schauen, was passiert. Und es war erstaunlich. Mit unserer Ester-Komplexität im Sherryfass schaust du nach zwei, drei Monaten auf den Rum und denkst: Oh mein Gott, schau dir diese Farbe an! Und dann beginnt er zu reifen.

Im Whisky ist das Sherryfass seit Jahrzehnten Alltag. Bei jamaikanischem Rum war eine komplette Reifung darin bis vor ein paar Jahren eher ungewöhnlich.

Peppie: Du hast gerade das richtige Wort gesagt: ungewöhnlich. Genau das machen wir. Hampden in einem Wort.

Inzwischen hat Pagos seine Fans gefunden. Hat dich der Erfolg überrascht?

Peppie: Wir wussten immer: Egal, was du im Fass machst, ein gutes Produkt beginnt am Anfang. Durch die Reifung wird es nur besser. Natürlich freuen wir uns sehr. Aber das Herzstück ist, von Anfang an sauber zu arbeiten. Dann weißt du, dass es in den kommenden Jahren richtig, richtig gut wird.

Macht so ein Erfolg Lust auf noch mehr Experimente mit Fässern?

Peppie: Ja, natürlich. Da kommt in den nächsten Jahren noch einiges. Zum Beispiel die Butterflies-Serie: Die reift in Ex-Cognac-Fässern, auch das eine Premiere für uns. Wir wollen mit neuen und anderen Fässern experimentieren. Und die Ergebnisse sind bisher, klopf auf Holz, wirklich großartig.

Dann wäre da noch der Fifteen, der nicht gerade zum Einsteigerpreis kommt. Ist das der nächste Schritt zur Luxusmarke?

Peppie: Hampden war schon immer eine Luxusmarke. Aber zum Preis: Denk an die tropische Reifung, bei der der Angel’s Share verrückt hoch ist.

Mehr als 75 Prozent, oder? Über die Jahre verdunsten also mehr als drei Viertel des Rums. Was macht den Rest so besonders?

Peppie: Wie er sich entwickelt hat. Ich nenne den Fifteen eine wunderschöne, kultivierte Lady. Du füllst den Rum ja nicht einfach ins Fass und wartest. Es kommt darauf an, was darin passiert. Wir haben festgestellt: Dort, wo wir in Trelawny sind, mit diesem Mikroklima, das es nur dort gibt, ist zwischen Rum und Holz unglaublich viel los. Das Ergebnis ist jedes Mal wunderbar. Und der Fifteen ist eine prachtvolle Schönheit.

Im Oktober 2025 zog Hurrikan Melissa über Jamaika. Wie habt ihr das erlebt?

Peppie: Das Auge des Hurrikans ist direkt über Hampden gezogen, aber zum Glück hatten wir keine Schäden an der Bausubstanz. Es ging vor allem um Dächer. Die Tischlerei hat ihr Dach verloren, die Mühle, wo das Zuckerrohr ausgepresst wird, die Hälfte. Beim Destillationsgebäude war das komplette Dach weg. Lagerhaus und Fermentationshaus sind heil geblieben. Wir können uns also nicht beklagen. Vom Destillieren hat uns das nie wirklich abgehalten. Wir haben einfach auf die Hügel geschaut, ob Regen kommt. Du heizt die Brennblasen an und produzierst weiter. Dann ging es darum, die Jungs zurückzuholen und die Dächer zu machen. Unser Hauptaugenmerk lag aber auf den Mitarbeitern und der Gemeinde. Erst sollten sie das Nötigste haben. Danach kamen die Dächer über dem Herzstück dran, der Destillation.

Zum Schluss noch ein bisschen Zukunftsmusik. Wir haben über den Zehnjährigen und den Fifteen gesprochen. Was kommt danach? Wo siehst du Hampden in zehn Jahren?

Peppie: Ich sage immer: Wir haben noch nicht einmal an der Oberfläche gekratzt von dem, was Hampden kann. Wirklich nicht. Wird es einen Hampden 25 geben? Ja. Auf diesen Moment freuen wir uns.

Ich mich auch.

Peppie: Dafür müssen wir bei unseren Reifelagern aber noch einiges tun, wir wollen weitere bauen. Als wir mit der Reifung angefangen haben, hatten wir keine richtigen Lagerhäuser, nur umfunktionierte Gebäude. Deshalb siehst du gerade beim Fifteen diese hohen Verluste. Mit den neuen Lagerhäusern wird ein 25-Jähriger, glaube ich, richtig schön. Und wir wollen weiter experimentieren: mit verschiedenen Fässern und mit dem, was wir tun, bevor der Rum überhaupt ins Fass kommt. Da kommt noch Großartiges.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Close Search Window
↑
Close

Für Leute mit Geschmack

Wir servieren dir gut geschüttelte Newsletter-Inhalte rund um Barkultur, Spirituosen und das gepflegte Trinken.

Abbestellen geht immer. Aber dann verpasst du vielleicht den besten Rum deines Lebens.