Wie jedes Jahr führte uns im Oktober der Weg nach Berlin. Der Bar Convent gehört für uns inzwischen genauso fest zum Herbst wie die Frage, welche Neuheiten am Ende wirklich hängen bleiben und welche nach zwei Messetagen schon wieder vergessen sind. Vom 12. bis 14. Oktober 2026 traf sich die internationale Bar- und Getränkebranche erneut auf dem Gelände der Messe Berlin. Gleichzeitig feierte der BCB in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum.
Ganz so groß wie in den vergangenen Jahren fiel die Geburtstagsfeier allerdings nicht aus. Rund 11.000 Fachbesucher kamen nach Berlin, mehr als 400 Aussteller präsentierten ihre Produkte und Marken. Das offizielle Ausstellerverzeichnis listete 424 Unternehmen. Zum Vergleich: 2025 waren es noch mehr als 12.100 Besucher und 566 Aussteller. Der BCB ist also deutlich kleiner geworden – vor allem auf Ausstellerseite.
Und das war vor Ort durchaus zu spüren. Weniger Fläche, weniger Stände und insgesamt ein kompakteres Messegefühl. Was sich auf dem Papier zunächst wie eine negative Entwicklung liest, empfanden wir allerdings überraschend anders. Unserer Meinung nach hat die Verkleinerung dem BCB sogar gutgetan.
Natürlich dürfte man das auf Seiten der Industrie teilweise anders beurteilen. Weniger Aussteller sind für eine internationale Leitmesse zunächst einmal keine Erfolgsmeldung. Als Besucher entstand dadurch aber wieder etwas mehr Raum für das, worum es beim BCB eigentlich gehen sollte: Produkte entdecken, probieren, Menschen treffen und sich vernünftig unterhalten. Die Wege waren überschaubarer, der Reizüberfluss etwas geringer und man hatte weniger das Gefühl, permanent irgendwo anders sein zu müssen. Statt möglichst viele Hallen und Stände abzuhaken, blieb häufiger die Zeit, tatsächlich stehenzubleiben.
Vielleicht ist genau das die etwas Erkenntnis des BCB 2026: Weniger Messe kann manchmal die bessere Messe sein.
Trotzdem lässt sich nicht übersehen, dass sich der Bar Convent gerade in einer Phase der Veränderung befindet. 2027 folgt bereits der nächste deutliche Schritt. Dann wird der BCB erstmals nur noch über zwei statt drei Messetage stattfinden. Am 4. und 5. Oktober 2027 trifft sich die Branche wieder auf dem Berliner Messegelände. Der Veranstalter begründet die Verkürzung unter anderem mit den eigenen Daten, nach denen insbesondere die ersten beiden Tage für Geschäft, Networking und Austausch entscheidend sind.
Wir sind gespannt, wohin diese Entwicklung führt. Denn so sehr wir den BCB auch heute noch gerne besuchen: Ein bisschen Sehnsucht nach den alten Zeiten bleibt. Wir warten weiterhin auf das große Revival in der Station Berlin.
Vielleicht spricht da auch eine gehörige Portion Nostalgie mit. Aber die Station am Gleisdreieck hatte etwas, das sich auf einem klassischen Messegelände nur schwer reproduzieren lässt. Der BCB fühlte sich dort weniger nach Fachmesse und mehr nach einem riesigen Treffen einer ziemlich speziellen internationalen Gemeinschaft an. Man stolperte über neue Marken, traf Menschen zufällig auf dem Weg zum nächsten Stand und blieb am Ende irgendwo länger hängen, als man eigentlich geplant hatte. Die Messe Berlin funktioniert. Sie bietet Platz, Infrastruktur und all das, was eine Veranstaltung dieser Größe benötigt. Aber die Station hatte eine andere Seele. Vielleicht kommt sie irgendwann zurück.
Bis dahin bleibt allerdings die wichtigere Frage: Was haben wir 2026 eigentlich entdeckt?
Und tatsächlich gab es auch in diesem Jahr wieder genügend Produkte, Marken und Menschen, für die sich der Weg nach Berlin gelohnt hat. Nicht alles davon waren große Namen oder spektakulär inszenierte Neuheiten. Im Gegenteil: Einige unserer interessantesten Entdeckungen standen an vergleichsweise kleinen Ständen und wären uns auf einem größeren BCB vielleicht sogar durchgerutscht. Genau um diese Entdeckungen soll es im Folgenden gehen.
Alain Miliat – spannende Cocktailbasen
Gleich zu Beginn des Bar Convent schlenderten wir am Stand von Alain Milliat vorbei und hielten direkt an. Die französische Marke ist eigentlich vor allem für ihre hochwertigen Fruchtsäfte und Nektare bekannt, hat inzwischen aber ein Sortiment entwickelt, das auch für Bars ausgesprochen interessant ist.
Hängen geblieben sind wir bei den alkoholfreien Cocktailbasen. Die Konzentrate gibt es aktuell in drei Varianten: Ingwer, Yuzu und Passionsfrucht. Dabei handelt es sich nicht einfach um klassische Sirupe. Die Rezepturen arbeiten mit Fruchtsäften, Gewürzen und Kräuterinfusionen und sind so aufgebaut, dass sie sowohl mit Mineralwasser als eigenständige Drinks als auch als Bestandteil von Cocktails und alkoholfreien Drinks funktionieren.
Beim Ingwer treffen beispielsweise Ingwersaft und Limette auf Verbene und eine kleine Menge Chili. Der Yuzu wird mit Enzian und Bergamotte kombiniert, während bei der Passionsfrucht unter anderem schwarzer Pfeffer und Limette für zusätzliche aromatische Tiefe sorgen. Gerade diese Kombinationen machen die Konzentrate für uns deutlich interessanter als viele klassische Bar-Filler. Alain Milliat werden wir uns demnächst noch einmal deutlich ausführlicher vornehmen.
Alberta – von Rye und Rum bis zur Spontanfermentation
Ein spannender Stopp auf dem BCB war der Gemeinschaftsstand der kanadischen Provinz Alberta. Bei der T-Rex Distillery aus St. Albert probierten wir den Sabertooth Rye Whisky und den Raptor Rum aus dem Ahornfass. Der Name der Brennerei kommt dabei nicht von ungefähr: Alberta gehört zu den bedeutendsten Dinosaurier-Fundregionen der Welt. In der Provinz wurden enorme Mengen an Fossilien und Skeletten entdeckt, darunter auch Überreste von Tyrannosauriern. Der Rye zeigte schön die Getreideseite Albertas, während die unter dem Namen Raptor angebotenen Rums einen interessanten Einblick in die noch recht kleine kanadische Craft-Rum-Szene gaben.
Richtig begeistert hat uns anschließend allerdings die Blind Enthusiasm Brewing Company aus Edmonton. Zwei Biere hatte die Brauerei mit nach Berlin gebracht, darunter eine spontan fermentierte Abfüllung. Säure, komplexe Fermentationsaromen und eine teilweise fast weinartige Struktur erinnerten uns stellenweise sogar an deutsche Gose, ohne diesen Stil einfach zu kopieren. Vor allem dachten wir sofort an Food Pairing. Beide Abfüllungen könnten wir uns hervorragend als Begleitung in der Sternegastronomie vorstellen. Ein Restaurant wie das Berliner Nobelhart & Schmutzig wäre für uns genau der richtige Ort dafür.
Bandoeng’22 – Tamarinde statt Pandan
Bandoeng’22 kannten wir bereits durch den Spiced Pandan Liqueur. Auf dem BCB 2026 hatten die Niederländer nun ihre zweite Abfüllung dabei, und die geht aromatisch in eine ganz andere Richtung. Der neue Spiced Tamarind Liqueur feierte in Berlin seine internationale Bar-Premiere.
Inspiriert ist der Likör vom indonesischen Rujak, einem Fruchtgericht, bei dem süße, saure, scharfe und herzhafte Komponenten aufeinandertreffen. Genau dieses Spiel versucht Bandoeng’22 in die Flasche zu bringen. Tamarinde trifft auf indonesischen Arrack, Gurke, Gewürze und etwas Chili. Heraus kommt ein Likör mit 22 Prozent Alkohol, bei dem Frucht und Süße auf eine ausgeprägte Säure, Würze und eine leichte Umami-Note treffen. Produziert wird er wie schon der Pandan-Likör im niederländischen Schiedam bei Herman Jansen.
Für uns ist der Spiced Tamarind vor allem deshalb interessant, weil er nicht versucht, Tamarinde einfach nur süß und gefällig abzubilden, sondern komplex. Leider waren die Drinks dazu etwas unkreativ und nicht gut abgestimmt.
Druids Cordials & Rocks ’n’ Grapes – aus der Athener Barszene
Eine weitere Entdeckung auf dem BCB waren die Druids Cordials, die gemeinsam mit Rocks ’n’ Grapes präsentiert wurden. Beide Marken kommen direkt aus der Athener Barszene und sind eng mit den Machern des The Bar in Front of the Bar verbunden. Rocks ’n’ Grapes interpretiert dabei den griechischen Tsipouro moderner und internationaler, während Druids die passende alkoholfreie Seite des Portfolios bildet.
Hinter den Druids Cordials stehen Konstantinos Theodorakopoulos und Agapi Petropoulou. Die Idee ist klar auf die Arbeit hinter der Bar ausgerichtet: keine einfachen Sirupe, sondern fertige aromatische Bausteine, die Süße, Säure und teilweise auch Rauch oder Salz miteinander verbinden. Im Sortiment finden sich etwa Smoked Grenadine aus griechischem Granatapfelsaft, Melba Peach, Berries, Salted Caramel sowie Strawberry & Verjus. Meinem persönlichen Favorit. Schmeckte bereits mit Soda hervorragend.
Fee Brothers – Fat Washing aus der Flasche
Bei Fee Brothers gab es in diesem Jahr eine echte Neuheit zu entdecken. Das Familienunternehmen aus Rochester präsentierte auf dem BCB erstmals in Europa seine neuen Fat Washes. Wir konnten die Produkte nicht nur verkosten, sondern hatten auch Gelegenheit, in einem Interview mehr über die Idee und Entwicklung dahinter zu erfahren.
Fat Washing ist in der Barszene eigentlich nichts Neues. Dabei werden Spirituosen mit Fetten aromatisiert, anschließend gekühlt und das wieder erstarrte Fett entfernt. Das Ergebnis kann großartig sein, bedeutet für Bars aber zusätzliche Vorbereitung, Zeit und Produktverlust. Genau hier setzt Fee Brothers an: Die neuen Fat Washes sind wasserlöslich, haltbar und werden ähnlich unkompliziert dosiert wie Bitters.
Zum Start gibt es drei Varianten: Bacon, Roasted Duck und Browned Butter. Vor allem Letztere dürfte sich problemlos in zahlreiche klassische Drinks integrieren lassen, während Ente und Bacon deutlich stärker in die herzhafte Richtung gehen. Überraschend war für uns bei der Verkostung vor allem, wie natürlich die Aromen wirkten. Gerade bei einem solchen Produkt hätten wir mit einer deutlich künstlicheren Aromatik gerechnet.
Noch sind die Fat Washes auf dem deutschen Markt nicht regulär erhältlich. Der BCB war jedoch bewusst als Startpunkt für die Einführung in Europa gewählt. Wann und über welchen Importeur die Produkte schließlich flächendeckend in Deutschland verfügbar sein werden, bleibt abzuwarten. Nach unserer ersten Verkostung sind wir darauf jedenfalls ziemlich gespannt.
Franz von Fein – alkoholfrei wird erwachsener
Auch Franz von Fein war 2026 wieder auf dem BCB vertreten. Hinter der Marke stehen die langjährigen Freunde Leo und Paul, die mit ihren alkoholfreien Aperitifs zeigen wollen, dass No & Low nicht zwangsläufig süß, eindimensional oder bloß ein Ersatzprodukt sein muss. Produziert wird in kleinen Chargen mit Bio-Früchten, Kräutern, Blüten, Gewürzen und Tees; gearbeitet wird unter anderem mit Kalt- und Warmauszügen.
Neben den bereits bekannten Aperitifs Rubin und Bernstein waren für uns besonders die beiden Sparkling Cuvéesinteressant. Cuvée No. 1 Roségold kombiniert rote Beeren, Zitrus, Hibiskus und Wacholder, während Cuvée No. 2 Weißgold stärker über fermentierten Tee, florale Noten und Rosmarin funktioniert. Es sind damit weniger klassische alkoholfreie Schaumweine als eigenständige, komplex aufgebaute Getränkebegleitungen.
Fabian Hess bei Boiron – Fruchtpürees auf höchstem Niveau
Einen alten Bekannten trafen wir am Stand von Boiron. Fabian Hess, Betreiber der Düsseldorfer Liq Bar und Kopf hinter Honey Batcher, gehört inzwischen zur internationalen Mixologen-Community des französischen Fruchtpüree-Spezialisten.
Auf dem BCB zeigte er ziemlich eindrucksvoll, was sich mit den teilweise durchaus anspruchsvollen Pürees von Boiron hinter der Bar anstellen lässt. Statt einfacher, süßer Fruchtdrinks gab es komplex aufgebaute Cocktails, bei denen die Pürees als vollwertige aromatische Komponenten eingesetzt wurden. Unter anderem kombinierte Fabian sie mit einer seiner Honey-Batcher-Abfüllungen sowie einem Rum von Feller.
Gerade solche Drinks zeigen, warum hochwertige Fruchtpürees in der Bar weit mehr sein können als eine bequeme Alternative zu frischer Frucht. Richtig eingesetzt bringen sie Säure, Textur und eine sehr präzise Fruchtaromatik in den Drink.
Gabriel Boudier – Waldmeister muss nicht grün sein
Bei Gabriel Boudier blieb auf dem BCB Zeit für ein schnelles Tasting – und dabei standen zwei Liköre im Mittelpunkt. Besonders neugierig machte uns der Sweet Woodruff Liqueur. Die Geschichte dahinter ist mindestens so spannend wie der Likör selbst. Jedes Jahr veranstaltet Gabriel Boudier die Wizard Awards, bei denen Bartender einen eigenen Likör entwickeln können. Die Gewinnerrezeptur wird anschließend tatsächlich von Boudier produziert und ins Sortiment aufgenommen. 2025 gewann der britische Bartender Ashley Haines mit seiner Idee für einen Waldmeisterlikör. Aus dem Wettbewerbsbeitrag wurde schließlich ein reguläres Produkt des traditionsreichen Hauses.
Und wer bei Waldmeister sofort an leuchtend grünen Sirup denkt, wird zunächst überrascht sein. Optisch ist der Likör mit seinem eher grau-grünen bis bräunlichen Farbton zugegeben keine Schönheit. Genau das gehört hier aber irgendwie dazu: Boudier arbeitet mit echtem Waldmeister, der rund fünf Wochen mazeriert wird. Hinzu kommt eine ebenfalls über mehrere Wochen angesetzte Grüntee-Infusion. Auf künstliches Grün wird verzichtet.
Geschmacklich funktioniert das hervorragend. Kräutrig, floral und mit Noten, die an Heu, Mandeln und Gebäck erinnern, hat das erstaunlich wenig mit dem künstlichen Waldmeistergeschmack zu tun, den man aus Sirup oder Brause kennt. Gerade diese Natürlichkeit hat uns richtig gut gefallen.
Noch mehr begeisterte uns allerdings der Yuzu-Likör. Sehr klar, frisch und intensiv in seiner Zitrusaromatik, ohne dass die feinen Seiten der Yuzu von zu viel Süße erschlagen werden. Pur schon hervorragend, mit Tonic für uns aber noch einmal besser. Ein denkbar einfacher Drink, der eigentlich kaum mehr braucht: Yuzu-Likör, Tonic, Eis – fertig. Nicht herangetraut haben wir uns an den Nori-Likör, auch wenn der sicher für Algen-Fans spannend sein könnte.
HaLong Rum – Vietnam kommt nach Deutschland
Über HaLong Rum haben wir erst vor Kurzem ausführlicher berichtet. Die noch junge vietnamesische Brennerei war auf dem BCB mit einem eigenen Stand vertreten und gehört zu den Marken, die gerade erst ihren Weg auf den deutschen Markt gefunden haben. Produziert wird aus frischem vietnamesischem Zuckerrohrsaft, der 14 Tage fermentiert und anschließend doppelt über Copper Pot Still und Column Still destilliert wird. Je nach Abfüllung folgen Ruhezeiten in traditionellen vietnamesischen Tonkrügen oder/und die weitere Reifung im Fass.
Neben den bereits in Deutschland verfügbaren Qualitäten hatte HaLong auch Abfüllungen dabei, die es hier bislang noch nicht zu kaufen gibt. So konnten wir das Portfolio noch einmal deutlich breiter kennenlernen und einen Eindruck davon bekommen, wohin sich die Marke entwickeln möchte.
Wer HaLong noch nicht kennt und wissen möchte, warum wir vietnamesischen Zuckerrohrsaft, eine ungewöhnlich lange Fermentation, Tonkrüge und sogar Kaffee in einem Artikel zusammengebracht haben, findet unseren ausführlichen Test bereits auf Zucker & Zeste.
Jacobs – Espresso ohne Espressomaschine
Auch Jacobs war in diesem Jahr auf dem BCB vertreten – und zwar mit einem Produkt, das ziemlich genau auf die Bar zugeschnitten ist. Im Mittelpunkt stand das neue Espresso Concentrate, ein flüssiges Kaffeekonzentrat, mit dem sich Kaffee- und Espressodrinks ohne frisch gezogenen Espresso zubereiten lassen. Neben Black Original gibt es die Varianten Sweet Caramel und Sweet Choco. Und so gönnten wir uns erstmal einen eiskalten Kaffee Latte.
Für klassische Cafés mag das zunächst wenig spektakulär klingen, hinter der Bar sieht die Sache aber anders aus. Gerade bei Espresso Martinis und anderen Kaffee-Cocktails kann ein solches Konzentrat Abläufe erheblich vereinfachen und gleichzeitig für immer gleiche Ergebnisse sorgen. Kein zusätzlicher Espresso während des Services, keine heiße Flüssigkeit im Shaker und vor allem eine gleichbleibende Kaffeeintensität.
Dass sich eine große Marke wie Jacobs mit einem solchen Produkt auf dem BCB präsentiert, zeigt gleichzeitig, wie relevant Kaffee als Cocktailzutat inzwischen geworden ist. Für uns war deshalb weniger die Frage interessant, ob ein Konzentrat einen frisch gezogenen Espresso ersetzen kann – sondern was sich damit hinter einer gut besuchten Bar anstellen lässt.
Penelope – nun auch mit RTD
Die amerikanische Marke zeigte auf dem BCB eine Auswahl ihrer Whiskeys und bewies dabei vor allem, wie viel über Blending, unterschiedliche Mash Bills und Fass-Finishes möglich ist. Für uns ganz klar: absolut kostenswert.
Eine kleine Überraschung wartete abseits der klassischen Abfüllungen. Mit dem Penelope Peach Old Fashioned hat die Marke einen fertig gemixten Cocktail im Programm, der auf Straight Bourbon und Rye Whiskey basiert und mit Pfirsichbitters sowie reinem Ahornsirup ergänzt wird.
San Cosme – wenn der Stand selbst zum Kunstwerk wird
Mezcal San Cosme gehört inzwischen fast schon zum Inventar des BCB. Schließlich wurde die Marke bereits 2011 auf dem Bar Convent Berlin vorgestellt und ist mittlerweile in mehr als 30 Ländern erhältlich. 2026 gab es neben einer neuen Abfüllung aber noch einen anderen Grund, am Stand etwas länger stehen zu bleiben.
San Cosme hatte sich beim Standdesign nämlich mächtig ins Zeug gelegt. Für das große Motiv wurden mehr als 10.000 einzelne Steine von Hand zu einem Bild verklebt. Eine ziemlich verrückte Arbeit, die aus dem Messestand selbst ein kleines Kunstwerk machte und hervorragend zur ohnehin sehr eigenständigen visuellen Sprache der Marke passte.
Natürlich ging es nicht nur ums Anschauen. San Cosme nutzte den BCB auch, um eine neue Abfüllung zu präsentieren, die wir uns direkt näher angesehen haben. Großartige Drinks mit wechselnden Bartendern gab es zusätzlich oben drauf.
SIP – ein bisschen Nick & Nora auf dem BCB
Auch SIP – Share. Inspire. Pioneer. by Pernod Ricard war auf dem BCB wieder eine feste Anlaufstelle. Das „Back of House“-Konzept fühlte sich dabei erfreulich wenig nach klassischem Messestand an. Statt die einzelnen Marken einfach auf einer großen Rückwand aufzureihen, wurden Absolut, Lillet, Havana Club, Skrewball oder Código 1530 in einzelnen Kästen sehr anschaulich in Szene gesetzt. Jede Marke bekam ihren eigenen kleinen Raum, ohne dass der Stand dadurch überladen wirkte.
Richtig rund wurde das Konzept aber durch die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Nick & Nora – ohnehin eine unserer Lieblingsbars. Entsprechend hoch waren unsere Erwartungen an die Drinks und wir wurden nicht enttäuscht. Die Cocktails waren erstklassig, die Bartender bestens aufgelegt und trotz Messetrubel entstand zumindest für einen Moment ein bisschen von der Atmosphäre, die wir am Nick & Nora so mögen.
Besonders schön fanden wir die Drinkkarte auf einer Schallplatte. Das war nicht einfach nur ein netter Design-Gag, sondern eine direkte Verbindung zur Bar in Hamburg, in der Musik von Vinyl ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts und der Atmosphäre ist. Solche Details funktionieren für uns deutlich besser als der nächste aufwendig beleuchtete Markenstand, weil sie tatsächlich etwas über die beteiligten Menschen und den Ort erzählen.
Überhaupt war SIP in diesem Jahr ein gutes Beispiel dafür, wie ein großer Markenauftritt auf dem BCB aussehen kann. Natürlich ging es um die Produkte von Pernod Ricard, gleichzeitig blieb aber genügend Raum für gute Drinks, Gespräche und die Menschen hinter der Bar. Dazu kamen Workshops und Roundtables, bei denen Wissen und Austausch im Vordergrund standen.
Am Ende war es für uns einer dieser Stände, an denen man eigentlich nur kurz vorbeischauen möchte und dann doch wieder länger bleibt. Gute Markenpräsentation, sehr gute Drinks, gut gelaunte Bartender und eine Vinylkarte, die wir am liebsten direkt mitgenommen hätten – ein bisschen Nick & Nora mitten auf dem BCB.
Planteray – alte Brennblasen und ein neuer Australier
Bei Planteray wurde es für uns auf dem BCB vor allem technisch und historisch spannend. Wir hatten die Gelegenheit, mit Alexandre Gabriel ausführlich über zwei außergewöhnliche Brennapparate der West Indies Rum Distillery auf Barbados zu sprechen: die Vulcan und die Rockley Still.
Beide stehen exemplarisch für Gabriels Bemühungen, historische Destillationstechniken nicht nur im Museum zu bewahren, sondern wieder zur Rumproduktion einzusetzen. Die Vulcan ist eine historische Three-Chamber Still und laut Stade’s die letzte noch arbeitende originale Brennblase dieser Bauart. Die Rockley wiederum stammt aus dem späten 18. Jahrhundert. Nach jahrzehntelangem Stillstand wurde sie aufwendig restauriert und wieder in Betrieb genommen und gilt heute als älteste noch arbeitende Rum Pot Still der Welt.
Natürlich blieb es nicht bei der Theorie. Wir konnten zwei Stade’s-Abfüllungen aus Vulcan und Rockley direkt miteinander vergleichen. Und gerade dabei wird verständlich, warum sich der enorme Aufwand für die Restaurierung solcher Apparate lohnt: Die unterschiedlichen Stills hinterlassen eine sehr eigene Handschrift im Destillat. Über unser Gespräch mit Alexandre Gabriel wird es bei uns allerdings noch einen deutlich ausführlicheren Artikel geben. Eine weitere Neuheit kam aus einer ganz anderen Ecke der Rumwelt: Australien.
Thomas Henry – Heimspiel auf dem BCB
Für Thomas Henry ist der BCB natürlich ein Heimspiel. Die Berliner Marke war auch 2026 kaum zu übersehen: Nicht nur am eigenen Stand, sondern an mehr als 120 weiteren Ständen auf der Messe kamen die Mixer zum Einsatz. Und auch der eigene Auftritt war eigentlich immer voll. Einen ruhigen Moment für einen Drink zu erwischen, war gar nicht so einfach.
Im Mittelpunkt standen unter anderem Pink Grapefruit, Mystic Mango, Vivid Watermelon und die neue Citrus Lemonade. Statt einer starren Cocktailkarte konnten Mixer, Spirituosen und weitere Zutaten frei miteinander kombiniert werden. Das passte zum Stand: ausprobieren, miteinander ins Gespräch kommen und vor allem trinken.
Besonders hängen geblieben ist bei uns die Citrus Lemonade. Sie wurde gemeinsam mit Sternekoch Tim Raue entwickelt und hat uns geschmacklich extrem gut gefallen. Frisch, deutlich zitrisch und mit angenehmer Schärfe, um nicht einfach wie die nächste süße Zitronenlimonade zu wirken. Gerade als Mixer können wir uns damit einiges vorstellen.
Und nach Messeschluss war Thomas Henry ebenfalls präsent. Die große BCB-Party am Montagabend fand in diesem Jahr im Ritter Butzke statt.
UNDONE – damit sehen wir uns auf dem Balkon
Natürlich führte uns unser Weg auf dem BCB auch zu UNDONE. Die Hamburger gehören inzwischen zu den etablierten Namen der alkoholfreien Barszene und hatten in diesem Jahr einiges Neues rund um das Thema 0,0 % Spritz dabei. Passend dazu haben wir die Gelegenheit genutzt und ein ausführlicheres Interview geführt – dazu an anderer Stelle noch mehr.
Entscheidend ist am Ende aber immer, was im Glas passiert und das ist oft nicht das was uns wirklich abholt. Dieses Jahr hat uns aber ausgerechnet ein ziemlich unkomplizierter Spritz mit Grapefruit überrascht. Frisch, angenehm herb, extrem fruchtig und nicht überladen und vor allem weit entfernt von der klebrig-süßen Richtung, in die alkoholfreie Aperitifs schnell abrutschen können. Genau diese unkomplizierte Trinkbarkeit hat uns gefallen.
UNDONE zeigt damit ganz gut, wohin sich die alkoholfreie Kategorie gerade entwickelt. Es muss nicht immer versucht werden, eine Spirituose möglichst perfekt zu imitieren. Manchmal reicht ein Drink, der für sich selbst funktioniert und bei dem man nach dem ersten Glas direkt Lust auf das zweite bekommt. Beim Grapefruit-Spritz war das der Fall. Damit sehen wir uns im nächsten Sommer auf dem Balkon.
Was wir noch gesehen und probiert haben:
Cheers!