Messetrubel in Erfurt: Die Tarona 2026 im Kaisersaal

Inhaltsverzeichnis

Wer sich für Whisky interessiert, kennt sie vermutlich: die Tarona in Erfurt. Einmal im Jahr verwandelt sich der historische Kaisersaal mitten in der Altstadt in ein kleines Paralleluniversum aus Malz, Holzfass und neugierigen Nasen über Nosinggläsern.

Zwischen alten Kronleuchtern, dicht gedrängten Tischen und dem stetigen Klang klirrender Gläser treffen sich hier Brenner, unabhängige Abfüller, Händler und Enthusiasten aus ganz Deutschland. Mehr als fünfzig Aussteller bringen tausende Abfüllungen mit – von schottischen Klassikern über deutschen Whisky bis zu Rum, Gin und anderen Spirituosen.

Für uns ist es inzwischen der dritte Besuch auf der Tarona. Dieses Mal allerdings mit einem anderen Ansatz: nur ein Abend, kein straffer Plan, dafür umso mehr Zeit für spontane Entdeckungen. Statt möglichst viele Stände abzuarbeiten, geht es darum, interessante Gespräche zu führen, ungewöhnliche Abfüllungen zu probieren und vielleicht die eine oder andere echte Überraschung im Glas zu finden.

Die Tarona eignet sich dafür perfekt. Denn trotz ihrer Größe hat sie sich etwas bewahrt, das vielen Spirituosenmessen inzwischen fehlt: eine erstaunlich entspannte, fast familiäre Atmosphäre.

Ankunft im Kaisersaal

Wie im letzten Jahr sind wir kurz vor der offiziellen Öffnung vor Ort. Es hat sich eine Schlange gebildet, die Leute unterhalten sich, scherzen, sind gut drauf. Das Wetter hat es gut mit uns gemeint. Es ist angenehm mild, die Sonne scheint.

Schon im Eingangsbereich liegt dieser typische Duft in der Luft: eine Mischung aus Holz, Malz, Alkohol und ein wenig Parfüm. Drinnen im Kaisersaal klirren die ersten Nosinggläser, irgendwo lacht jemand, und zwischen den Ständen bildet sich langsam das übliche Messe-Gedränge.

Wer sich durch die Räume bewegt, sieht überall das gleiche Bild: konzentrierte Gesichter über kleinen Gläsern, leicht geneigte Köpfe beim Riechen, kurze Gespräche mit Ausstellern. Manche Besucher arbeiten sich systematisch durch ihre Liste, andere treiben eher ziellos zwischen den Ständen – immer auf der Suche nach dem nächsten interessanten Dram.

Die Tarona hat etwas von beidem. Einerseits ist sie eine klassische Spirituosenmesse mit Dutzenden Ausstellern und tausenden Flaschen. Andererseits wirkt sie trotz ihrer Größe erstaunlich entspannt. Viele Besucher kennen sich. Es ist weniger eine Messe als eine Art jährliches Treffen der Szene. Mitten in dieser Atmosphäre beginnt unser Abend.

Erste Gläser des Abends

Uns verschlägt es zuerst in die oberste Etage. Wir wollen uns von oben nach unten durcharbeiten. Ich starte mit dem Dos Maderas Thailand, der war in Nürnberg an Tag 2 bereits vergriffen. Ich muss ehrlich sagen das ich nicht weiß warum. Kein schlechter Rum, aber auch nichts was hängen bleibt.

Nächster Stop: Pilz Whisky, eine unserer Entdeckungen aus dem letzten Jahr. Pilz Whisky ist bei Batch 4, dem Madeira Cask und dem Moscatel Cask in Fassstärke angekommen. Batch 4 ist würzig, malzig mit schönem Fruchtkörper. Der moscatel spielt mit noch mehr Frucht und einer leicht spürbaren Süße. Sehr gute Whiskys, Batch 2 aus dem letzten Jahr hat uns aber noch mehr abgeholt.

Genau gegenüber befindet sich der Stand von Perola. Auch hier haben wir in den letzten jähren viel zeit verbracht. Diesmal ist der Stand in komplett neuer Besatzung. Das Personalkarussel scheint sich bei den Fürthern zu drehen.

Dieses Jahr gab es auch Cocktails. Tobias bekommt spontan Lust auf einen Espresso Martini mit Mister Black. Wird direkt geordert. Ein bisschen dünn, aber trotzdem lecker. Aber beim Thema Cocktail sind wir auch schwierige Gäste, zuviele haben wir schon getrunken. Eine schöne Abwechslung war es trotzdem.

Eine neue Abfüllung von Bellamy´s gab es leider nicht und auch Port war diesmal nicht am Start. Schade, denn ich wollte mal wieder einen Port für meine Heimbar kaufen. Der recht komplexe und aromatisch ungewöhnliche Penelope Rio war mir insgesamt etwas zu süß. Wird am Fass mit der Honigvorbelegung gelegen haben.

Danach wandern wir erstmal durch die Etagen, verschaffen uns einen Überblick, der erste Appetit ist gestillt. Wir treffen auf viele bekannte Gesichter, kosten hier und kosten da. Ein Rum, ein erstklassiger australischer Whisky von Gospel, ein Bourbon und ein Rye aus der Elvis-Range, zu Ehren des Kings (den mit Bacon und Banane gewürzten haben wir ausgelassen), und ein hervorragender Birnenbrand von Studer bei Bottles Brands.

Dann ging es mit Rum von Angostura und Rump@blic weiter. Kannten wir zwar schon, der Angostura Tribute gefällt uns aber trotzdem immer wieder. Das neue Flaschendesign vom Angostura 1787 empfinde ich als sehr wertig.

Überraschungen der Messe

Eine Überraschung der Messe war der Glendronach aus dem Jahrgang 1976. Schon in der Nase zeigt sich eine beeindruckende Tiefe. Das Holz ist deutlich präsent, aber nicht dominant. Statt trockener Fassnoten wirkt es elegant und fein poliert, begleitet von einer sanften Würze. Dazu kommen klare Fruchtnoten: reife Aprikose, gelber Apfel, kandierte, rote Frucht. Alles wirkt sehr harmonisch, nichts drängt sich in den Vordergrund.

Am Gaumen bestätigt sich dieser Eindruck. Die Frucht bleibt präsent, getragen von einer feinen Holzwürze. Der Alkohol ist perfekt eingebunden, fast schon seidig, und trägt die Aromen ohne jede Schärfe. Am Ende nehmen wir bei Kierzek auch noch einen Käsekuchen-Eierlikör mit, sehr zur Freude meiner Frau.

Kurz vor Ende der Messe landeten wir noch bei Micha Fritzen, der natürlich als Brand Ambassador von Kyrö in seinem obligatorischen Saunamantel vor Ort war. Zum ersten Mal. Er hatte ein Single Cask, exklusiv für den deutschen Markt, mitgebracht. Destilliert aus 100 % finnischem Roggen, über offenem Erlenholzrauch gemälzt und gereift in einem Ruby Port-Fass, entwickelt er eine trockene, fast herbe Rauchigkeit, die sich wie ein feiner Schleier durch das gesamte Profil zieht und neben dunklen Beeren ein Aroma von Fichtenaufguss in der Sauna an die Nase und den Gaumen trägt. Eine der 283 abgefüllten Flaschen haben wir mitgenommen.

Raritäten

Absolute Highlights gab es bei den Männern von Volume Spirits: Die Buffalo Trace Range, inklusive der Weller- und Pappy van Winkle Bottlings, haben es auch nach Erfurt geschafft. So hatte ich die Möglichkeit den 10-jährigen und den 23- jährigen zu vergleichen. Der Old Rip Van Winkle 10 Year wirkt kräftig, lebendig und vergleichsweise direkt. Er zeigt dunkle Früchte, Vanille, Karamell und Gewürze, wobei die Eiche präsent, aber noch gut eingebunden ist. Der Pappy Van Winkle 23 Year ist deutlich stärker von der langen Reifung geprägt: Intensive Eiche, Tabak, Leder, dunkle Schokolade und konzentrierte Süße dominieren das Profil. Er wirkt weicher und komplexer. Für Tobias war der William Larue Weller mit über 70% die komplette Offenbarung. Er wird es schwer haben jemals wieder einen anderen Bourbon zu finden.

Gespräche und Begegnungen

Wie auf jeder Messe begegnet man auch hier wieder vertrauten Gesichtern hinter den Ständen. Etwa Volkmar von Whiskytemple, der seine Auswahl an Raritäten präsentiert – in diesem Jahr allerdings mit spürbar weniger Rum als sonst. „Wird kaum nachgefragt“, meint er knapp. Wir probieren dennoch einen alten Verschnitt-Rum: nichts, das man zwingend im Glas haben muss, aber doch interessant genug, um es einmal erlebt zu haben. Gerade wenn sich die Gelegenheit für einen schmalen Taler bietet.

Auch ein kurzer Austausch mit Thomas Sontheimer darf natürlich nicht fehlen, selbst wenn man sich ohnehin regelmäßig begegnet. Und wie bereits angedeutet, zieht es uns immer wieder zu Tobi und Alexander von Volume Spirits – ein Ort, an dem man gerne etwas länger verweilt.

Fazit: Tarona 2026

Die Tarona bleibt auch nach dem dritten Besuch genau das, was sie sein soll: kein reines Abhaken von Drams, sondern ein Ort für Begegnungen, Gespräche und echte Entdeckungen. Gerade der bewusst entschleunigte Ansatz – weniger Programm, mehr treiben lassen – hat diesem Abend gutgetan und Raum für genau die Momente geschaffen, die in Erinnerung bleiben: ein unerwartet großer Dram, ein intensives Gespräch, eine spontane Flasche für zuhause.

Zwischen vertrauten Gesichtern und neuen Eindrücken zeigt sich einmal mehr, dass es nicht die schiere Menge an Abfüllungen ist, die diese Messe besonders macht, sondern ihre Atmosphäre. Die Tarona fühlt sich weniger wie eine Veranstaltung an, sondern eher wie ein jährliches Wiedersehen einer Szene, die sich hier für ein paar Stunden verdichtet.

Und genau deshalb wird es vermutlich nicht der letzte Besuch gewesen sein.

Cheers!

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