Villa Zarri 1997 – Italiens Antwort auf Cognac nun auch als Single Cask in Deutschland

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Wer sich intensiver mit gereiften Weinbränden beschäftigt, landet zwangsläufig irgendwann in Frankreich. Vorallem Cognac, aber seit ein paar Jahren auch Armagnac, bestimmen bis heute die Wahrnehmung dieser Kategorie, während Brandy aus anderen europäischen Ländern häufig ein Schattendasein führt. Italien bildet dabei keine Ausnahme. Grappa kennt nahezu jeder, hochwertigen italienischen Brandy dagegen deutlich weniger Menschen. Mit Villa Zarri gibt es allerdings ein Haus, das seit Jahrzehnten zeigt, dass großer Weinbrand nicht zwingend aus Frankreich kommen muss.

Gerade heute wirkt Villa Zarri erstaunlich zeitgemäß. Lange Reifezeiten, Jahrgangsabfüllungen, Fassstärke, transparente Herstellung und einzelne Fässer sind Themen, die man aus der Rum- und Whiskywelt kennt. Bei Brandy werden sie dagegen noch immer vergleichsweise wenig wahrgenommen.

Genau deshalb passt Villa Zarri vielleicht besser auf das German Rum Festival, als man zunächst vermuten würde. Beim 15. German Rum Festival am 29. und 30. August 2026 in Berlin wird Guido Fini Zarri persönlich in der TRUE SPIRITS Area vertreten sein. Mit dabei ist ein neuer 28 Jahre alter Single Cask aus dem Jahrgang 1997.

Villa Zarri

Die Villa selbst stammt aus dem Jahr 1578 und liegt in Castel Maggiore vor den Toren Bolognas. 1940 erwarb Leonida Zarri das Anwesen. Für die spätere Brandygeschichte ist er die entscheidende Figur: Zarri war zuvor Generaldirektor bei Buton gewesen, jenem Unternehmen, das mit Vecchia Romagna eine der bekanntesten italienischen Brandymarken hervorbrachte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ er Buton und übernahm 1954 den auf Murano ansässigen Spirituosenproduzenten Pilla. Das Unternehmen wurde später nach Castel Maggiore verlegt. Damit war das Wissen um Weinbrand bereits lange vorhanden, bevor überhaupt eine Flasche den Namen Villa Zarri trug.

Guido Fini Zarri stieg Ende der 1970er-Jahre in das Familienunternehmen ein. Zu dieser Zeit verlor Brandy in Italien zunehmend an Bedeutung, während Whisky und Grappa stärker wurden. Statt einen weiteren einfachen italienischen Brandy auf den Markt zu bringen, entschied er sich für einen anderen Weg: weniger Masse, mehr Qualität und eine deutliche Orientierung an großen französischen Weinbränden. 1986 entstand daraus das Projekt Brandy Villa Zarri. 1990 wurde die erste Flasche unter diesem Namen präsentiert.

Ausgangspunkt der Brandys ist Trebbiano aus der Romagna. Für die Destillation eignet sich die eher säurebetonte und vergleichsweise neutrale Rebsorte besonders gut. Villa Zarri destilliert zweifach und diskontinuierlich in kupfernen Charentais-Brennblasen. Nach der zweiten Destillation liegt der Alkoholgehalt des farblosen Destillats bei ungefähr 70 Volumenprozent. Danach beginnt der entscheidende Teil: die Reifung.

Villa Zarri arbeitet mit 350-Liter-Fässern aus französischer Eiche aus Allier und Limousin. Das frische Destillat kommt zunächst für ungefähr ein Jahr in neue Fässer. Anschließend wird die Alkoholstärke reduziert und der Brandy in gebrauchte Fässer umgefüllt. Auf Zucker und Farbstoff wird verzichtet.

Das Sortiment zeigt recht gut, wie Guido Fini Zarri Brandy versteht. Neben klassischen Assemblages gibt es alte Jahrgangsbrandys, Fassstärken und Abfüllungen mit unterschiedlichen Fassreifungen. Gerade die Millesimato-Abfüllungen sind für Whisky- und Rumtrinker interessant. Hier steht nicht nur ein möglichst gleichbleibender Hausstil im Vordergrund, sondern auch der Charakter einzelner Jahrgänge. Single Casks sind bei Villa Zarri grundsätzlich nichts Neues. In der Vergangenheit wurden bereits einzelne Fässer in Fassstärke abgefüllt.

Wer Villa Zarri nur auf die alten Brandys reduziert, übersieht einen weiteren Teil des Hauses. Neben den klassischen Weinbränden entstehen auch Liköre, bei denen gereifter eigener Brandy als alkoholische Basis verwendet wird. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu vielen konventionellen Likören. Statt Neutralalkohol lediglich mit Frucht oder Botanicals zu aromatisieren, bringt die Basis hier bereits eigene Reifearomen und Struktur mit. Zum Sortiment gehören unter anderem Orange Brandy, Cherry Brandy, Nocino und ein Kaffee-Likör.

Villa Zarri 1997 – 28 years old

Der Brandy stammt aus dem Jahrgang 1997 und verbrachte 28 Jahre in einem einzelnen Fass aus Limousin-Eiche. Abgefüllt wurde er mit seiner natürlichen Fassstärke von 54,6 % vol. Insgesamt existieren lediglich 280 Flaschen. Der Preis beträgt 130€ für 0,5 Liter.

In der Nase erreichen mich schwere, holzige Aromen mit sehr viel Würze und einem, trotzdem erhaltenen, Fruchtkörper von getrockneten Beeren und Aprikosen. Daneben etwas Lakritz, Röstaromen und schwarzer Tee. Die Nase braucht ihre Zeit um sich entfalten zu können. Alkohol kann ich kaum wahrnehmen.

Am Gaumen, eins schönes Spiel aus Süße und Tanninen, eingebettet in Stachelbeeren, Rosinen und getrocknete Aprikosen. Die Würze ist der Nase ist ebenso da, aber nicht ganz so dominant wie in der Nase. Das Holz ist präsent, aber sehr gut balanciert. Dann kommen zarte Pfefferaromen, blumige Bergamotte und Kakao hinzu. Ihr solltet euch Zeit lassen beim Trinken und den Brandy nicht herunterstürzen. Auch am Gaumen ist der Alkohol extrem gut eingebunden. Der Abgang ist recht lang mit Fruchtnoten, etwas Holz und einer zum Schluss verbleibenden Süße.

-9.0 von 10.0-

Fazit

Ein Weltklasse Brandy, der sich hinter den großen Weinbränden aus Frankreich nicht verstecken muss. Und wahrscheinlich das Beste das die italienische Brandy-Welt hervorgebracht hat. Aromatisch erinnert er mich eher an einen Armagnac als an einen Cognac. Er ist aromatisch intensiv, komplex und lädt aufgrund seiner Aromendichte zum Verweilen ein. Vielleicht nicht unbedingt ein Brand für Einsteiger, aber auch nicht zu fordernd. Ein wahnsinnig guter Tropfen! Davon möchte ich gerne mehr.

Cheers!

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