Im Test: The Bottle Shop x Distilia Guadeloupe Montebello 2008 17ans

Inhaltsverzeichnis

Bei lang gereiftem Rhum Agricole denkt man zunächst an Martinique oder vielleicht an Marie-Galante. Guadeloupe wird dagegen häufig etwas weniger prominent wahrgenommen, obwohl die Insel einige der charaktervollsten Zuckerrohrbrände der französischen Karibik hervorbringt. Dazu gehört Montebello, eine Brennerei, deren Rums einen ausgesprochen eigenständigen Stil besitzen können.

The Bottle Shop x Distilia Montebello 2008 17 ans

Der unabhängige Abfüller The Bottle Shop aus Heilbronn hat sich für diese Kooperation mit Distilia ein Fass aus dem Jahrgang 2008 von Montebello gesichert. Nach 17 Jahren tropischer (!) Reifung wurde der Rhum mit 48,5 Volumenprozent abgefüllt. Gerade einmal 81 Flaschen kamen auf den Markt. Damit ist der Montebello 2008 nicht nur aufgrund seines Alters, sondern auch wegen der geringen Flaschenzahl eine echte Rarität. Die genaue Fassart und der Reifeort werden in den verfügbaren Angaben nicht genannt. Die UVP beträgt 336€.

Distillerie Carrère

Die Distillerie Montebello oder auch Distillerie Carrère, deren Rums seit 1975 unter dem Namen Montebello vermarktet werden, liegt in Petit-Bourg auf Basse-Terre. Sie wurde 1930 gegründet und wird heute von der Familie Marsolle geführt. Ein Teil der technischen Ausstattung stammt noch aus dem 19. Jahrhundert. Montebello gehört zu den letzten Brennereien Guadeloupes, die beim Mahlen des Zuckerrohrs weiterhin auf eine historische, mit Dampf betriebene Anlage zurückgreifen.

Montebello verarbeitet überwiegend von Hand geerntetes Zuckerrohr. Der größte Teil stammt aus eigenen Anbauflächen, weiteres Zuckerrohr wird von unabhängigen Pflanzern bezogen. Pro Jahr werden ungefähr 8.000 Tonnen Zuckerrohr verarbeitet. Die bei der Pressung anfallenden Reste (Bagasse) werden getrocknet und als umweltfreundlicher Brennstoff für die Brenngeräte und Pressen genutzt.

Der frisch gepresste Zuckerrohrsaft wird nach Angaben der Brennerei zwischen 48 bis 72 Stunden vergoren. Die Maische wird anschließend in einer Kolonne mit einem Alkoholgehalt zwischen 74 und 80 Volumenprozent destilliert, was für einen aromatischen Brand spricht.

Tasting

In der Nase tritt zunächst dunkler, leicht fermentierter Zuckerrohrsaft hervor. Die typische Frische eines jungen Agricoles ist nach 17 tropischen Jahren zwar deutlich zurückgenommen, aber noch immer etwas erkennbar. Das Zuckerrohr wirkt nicht grün, süßlich und saftig, sondern trocken, erdig und beinahe staubig. Dahinter erscheinen feuchter Waldboden, schwarze Teeblätter, getrocknete Kräuter, etwas lackiertes Holz und eine Spur Tabak. Der Rhum benötigt einige Minuten, bevor sich auch ein paar Zitronenschalen zeigen.

Am Gaumen zeigen sich zunächst schwarzer Tee und eine leicht honigartige Süße. Bereits kurz darauf übernehmen jedoch erneut die erdigen und pflanzlichen Aromen. Feuchte Erde, getrocknete Kräuter, Tabak und eine leicht medizinische Würze bestimmen das Profil. Die Frucht bleibt auch am Gaumen deutlich im Hintergrund. Sauerkirsche und dunkle Beeren setzen kleine Akzente, können sich gegen Tee, Kräuter und Eichenholz aber nicht dauerhaft durchsetzen. Dazu kommt eine Spur Süßholz.

Mit zunehmender Zeit wird der Rhum trockener. Das Holz bringt eine feine Bitterkeit mit, die an Grapefruitschale und Kakao erinnert. Diese Bitterkeit wirkt nicht störend, bildet aber einen wesentlichen Bestandteil des Geschmacksbildes. Die Textur ist angenehm weich und leicht ölig.

Der Abgang fällt mittellang bis lang aus. Zunächst bleiben einige dunkle Beeren zurück. Anschließend wird der Rhum zunehmend trockener und würziger, aber nicht übermäßig bitter. Selbst im Nachhall entsteht keinerlei Schärfe.

-8.8 von 10.0-

Fazit

Liebhaber der kräftigeren und rustikaleren Seite Guadeloupes erhalten einen charaktervollen alten Agricole mit hervorragend eingebundenem Alkohol und einem ungewöhnlichem Profil, der jedoch nicht so fordernd wie beispielsweise der The Virtues – Charity Rhum Agricole Savanna 2008–2024, denn trotz der sehr langen, tropischen Reifung und der ausgeprägten Holzaromatik wirkt der Montebello erstaunlich ausgewogen und nicht zu fordernd. Klar frisches Zuckerrohr und übermäßige Fruchtaromen finden sich nicht in diesem Rhum, das habe ich aber auch bei diesem Alter nicht erwartet. Ein Rhum der sehr wahrscheinlich perfekt zur Zigarre passt und aufgrund seiner Reifung und der geringen Verfügbarkeit eine kleine Rarität ist.

Cheers!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Close Search Window
Close

Für Leute mit Geschmack

Wir servieren dir gut geschüttelte Newsletter-Inhalte rund um Barkultur, Spirituosen und das gepflegte Trinken.

Abbestellen geht immer. Aber dann verpasst du vielleicht den besten Rum deines Lebens.