Im Test: The Virtues – Chastity

Inhaltsverzeichnis

Der „The Virtues – Chastity“ ist die nächste Abfüllung aus der Zusammenarbeit vom polnischen Abfüller Distilia mit dem Kurator Robert Bauer. Die Reihe „The Virtues“ ist als Gegenentwurf zur vorherigen Serie „The Sins“ angelegt. Heute geht die Reise wieder nach Jamaika. Diesmal aber nach Hampden und nicht nach Long Pond. Was bleibt ist das Jahr 1983.

Der Rum

Der Rum ist ein Blend aus einem 1983er HGML und einem C<>H aus dem Jahr 1982. Beide Bestandteile, das verraten uns die Marques bereits, wurden in der legendären Hampden Estate auf Jamaika produziert, einer Brennerei, die für ihre extrem esterreichen und extrem aromatischen Rums bekannt ist. Das Alter beträgt somit mindestens 42 Jahre. Das angegebene Alter richtet sich nach dem “jüngsten” Bestandteil. Abgefüllt wurde in 210 Flaschen mit einem Alkoholgehalt von 48,7%. Der Verkaufsstart war bereits, die Auslieferung beginnt am 28.Mai. Die UVP liegt bei 1050€.

Tasting

Nach dem Eingießen fällt zunächst die recht blass-gelbe Farbe auf. Das lässt mich vermuten das der Holzaustausch nicht so intensiv war, wie man es sich nach 42 Jahren vorstellt. Auch legt es nahe, das der Rum sehr wahrscheinlich komplett in Europa gereift wurde, was ja beides erstmal grundsätzlich kein Problem ist.

In der Nase finde ich die typischen tropischen Fruchtaromen – gegrillte Ananas, Banane, Mango – sie erscheinen hier aber nicht mehr frisch und übermäßig explosiv, wie man sie bei den jungen Destillaten der Brennerei findet, sondern reifer, teilweise getrocknet und fast ätherisch, mit einem feinen Anflug von Säure – vermutlich durch den C<>H-Anteil. Zumindest habe ich diese Säure bei anderen 83er Hampden nicht in Erinnerung. Die Früchte werden von unerwartet jungen Holznoten, etwas Harz, dezenten Lackaromen, etwas Olive und einer feinen, medizinischen Kühle begleitet.

Am Gaumen verdichtet sich dieser Eindruck zu einer vollen und intensiven Aromatik mit einer öligen Konsistenz, in der sich ganz dezente Bitterstoffe und etwas Leder mit den kräftigen Fruchtaromen verbinden. Auch die vermutete Säure aus der Nase kann ich wiederfinden, spätestens hier schmeckt man den C<>H-Anteil, bei dessen Fermentation, zumindest heute, Dunder zum Einsatz kommt. Der geringere Alkoholgehalt wirkt sich meiner Meinung nach nicht negativ aus, ganz im Gegenteil, er macht den Rum extrem entspannt trinkbar.

Das Finish ist lang, getragen von viel Frucht, etwas mehr Holz, ganz dezenten balsamischen Weihraucharomen, Mineralität und einem trockenen, aber trotzdem öligen Abgang.

-9.4 von 10.0-

Fazit

Wenn ich auf die bisherigen Abfüllungen der Serie zurückschaue fällt mir vor allem auf, das der “Chastity” die Abfüllung mit dem wenigsten Holzeinfluss darstellt. Das war für mich zunächst ein Cut im roten Faden der Linie. Wenn ich aber etwas mehr darüber nachdenke passt es dann doch hervorragend zur “Keuschheit”.

Klar ein Highester Hampden bleibt ein Highester Hampden. Nach 42 Jahren sieht die Welt aber auch hier anders aus. Die Säure ist etwas eingefangen, die Früchte sind noch reifer, die Ecken abgeschliffen. Das Destillat merklich beruhigter. Der Alkoholgehalt entspannter.

Gerade in dieser Entwicklung liegt wahrscheinlich die eigentliche Aussage des „Chastity“: Er zeigt nicht nur, was jamaikanischer Rum sein kann, sondern auch, was mit ihm geschieht, wenn man ihm Zeit lässt. Der Rum ist dadurch nicht schüchtern, aber viel entspannter.

Bitte nicht falsch verstehen, der Rum ist komplex, intensiv und aromatisch fordernd und sollte primär an den geübten Gaumen gelangen, überfordert aber auch ungeübte Gaumen nicht zwangsläufig.

Cheers!

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