Die historische Sammlung alter Brennapparate bei der Diamond Distillery gehört zu den bedeutendsten noch aktiven Destillationsarchiven der Welt. Die hölzerne Port-Mourant-Doppelpot-Still, die Versailles-Single-Wooden-Pot-Still oder die Enmore Coffey-Still sind keine Museumsstücke, sondern weiterhin produktive Brenngeräte.
Die beiden Abfüllungen markieren einen bemerkenswerten Bruch innerhalb des klassischen El-Dorado-Kosmos. Statt auf die bekannte Verbindung aus dunkler Süße, Fasswürze und weichem Trinkfluss zu setzen, präsentieren PM/DHE und LBI/DHE eine deutlich experimentellere Seite Guyanas: intensiver fermentiert und deutlich esterreicher.
Das DHE-Marque
Die Bezeichnung DHE (Diamond High Ester) verweist auf eine sogenannte Marque – also einen Produktionscode, wie er in der Rumindustrie traditionell zur Kennzeichnung bestimmter Aromaprofile genutzt wird. Solche Codes dienen Händlern, Blendern und Exporteuren als Orientierung für definierte Stilistiken.
Im Fall der modernen DHE-Abfüllungen handelt es sich um ein Experiment mit besonders langen Fermentationen und hohen Esterwerten. Die DHE-Rums sind deshalb keine Wiederbelebung eines historischen Guyana-High-Ester-Stils. Guyana war traditionell stärker durch schwere Melasse-Rums mit dunkler Aromatik geprägt.
Das DHE-Mark entsteht entsprechend auch nicht auf einer der historischen Stills, sondern in einer Vendome-Still, wie man sie auch auf St. Lucia oder auf Jamaika findet. Sie soll sich seit den 80er jähren bei der DDL befinden. In einigen Quellen war zu lesen das der Rum wohl auch offen, über 1-2 Wochen fermentiert wird. Der Estergehalt soll bis zu 7.000 gr/hlaa betragen. Das ist extrem viel. Entsprechend wird sich nur ein kleiner Anteil in den Blends befinden.
PM/DHE
Die PM/DHE-Abfüllung basiert auf der legendären Port-Mourant-Double-Wooden-Pot-Still – vermutlich der berühmtesten hölzernen Pot Still der Welt. Ursprünglich stammt sie aus der ehemaligen Port Mourant Distillery und wurde später nach Uitvlugt und schließlich nach Diamond transferiert. Der Blend wurde 2014 destilliert und lag 10 jähre unter tropischer Sonne. Der Estergehalt beträgt 380 gr/hlaa. Abgefüllt wurde mit 51,7%.
Schon in der Nase entsteht eine ungewöhnliche Spannung zwischen traditioneller Port Mourant-Aromen und langer Fermentation. Zitrusfrüchte treffen auf nasses Holz, Fenchel, Anis und medizinische Noten.
Am Gaumen zeigt sich eine enorme Konzentration, die nur bei tropischer Reifung entsteht: Lakritz, verbrannter Zucker, Kräuterbitter und Tee verschmelzen mit einer trockenen Holzwürze. Dahinter liegen Esteraromen: Zitrusfrüchte, Lösungsmittel und schwarze Olive.
Der Abgang wirkt lang und trocken. Gerade diese Kombination aus Demerara-Schwere und esterhaltiger Fermentation macht den PM/DHE aextrem spannend. Er besitzt weniger die explosive Fruchtigkeit jamaikanischer High-Ester-Rums, sondern die typische, kräuterige Port-Mourant Aromatik mit esterigen Zitrusnuancen. Dadurch wirkt der Rum jünger als sein tatsächliches Alter und frischer als klassische Port Mourant-Abfüllungen.
-8.6 von 10.0-
LBI/DHE
Die historische LBI-Marque verweist auf La Bonne Intention, eine ehemalige Demerara-Destillerie, deren Stil heute über die Savalle-Still bei DDL interpretiert wird. Der LBI/DHE kam bereits 2012 ins Fass und reifte für 11 Jahre. Der Alkoholgehalt beträgt hier 57%. Der Estergehalt 270 gr/hlaa.
Die französische Savalle-Still unterscheidet sich grundlegend von der schweren Holzpot-Still des PM. Sie erzeugt normalerweise etwas leichtere Destillate mit einer komplett anderen Aromatik. Genau dieser Unterschied prägt auch den LBI/DHE.
In der Nase wirkt der Rum zunächst erstaunlich zugänglich. Kandierte Zitrusschalen verbinden sich mit Kaffee, viel Kakao, schwarzem Tee und leicht harzigen Noten. Die Ester sind präsent, aber wesentlich sauberer integriert als beim PM/DHE. Auch hier ist die tropische Reifung deutlich zu vernehmen.
Am Gaumen zeigt der LBI/DHE dann deutlich mehr Wucht als es die Nase vermuten lies: Wieder viel Kakao und Kaffee, etwas Karamell, Vanille, ein paar Dörrfrüchte. Wobei die Fruchtigkeit stark im Hintergrund steht. Aromatisch erinnert mich das stark an die Albion Abfüllung von El Dorado. Der Abgang bleibt trocken, kräutrig und lang. Auch dieser Blend gefällt mir sehr gut. Sogar noch etwas besser als der Port Mourant.
-8.8 von 10.0-
Fazit
Zwei extrem spannende Abfüllungen von El Dorado, die nach den letzten teils nicht ganz so überragenden Sonderabfüllungen, endlich mal wieder zeigen was die Brennerei kann. Und das zu einem nicht ganz so hohen Preis wie bei den damaligen El Dorado Rare Cask Abfüllungen. Ich hoffe es finden in den nächsten Jahren mehr solcher Abfüllungen den Weg nach Deutschland.
Cheers!