Shop- und Barbetreiber Fabian Hess aus Düsseldorf hat drei neue Single Cask abgefüllt. Dieses Mal bricht er mit seiner Tradition nur sehr junge Rums abzufüllen. Ebenso wechselt er vom 700 ml auf das 500 ml Format. Die Rums wurden nicht gefärbt, jedoch minimal verdünnt. Wir durften sie auf der “The Village” in Nürnberg testen.
Honey Batcher Haiti 2004
Dieser Rum stammt aus der Babancourt Distillery auf Haiti. Der Rum wurde 2004 aus Zuckerrohrsaft auf einer Pot Still destilliert und in einem Ex-Bourbon Cask gereift. Der Alkoholgehalt beträgt 59%. Eine Flasche kostet 139€. Der Honey Batcher ist der älteste bislang abgefüllte Babancourt.
In der Nase finden wir schöne Fruchtanklänge, die an Zitrusfrüchte mit einem Hauch Mango erinnern und Röstaromen. Daneben leichte Anflüge von gebranntem Zuckerrohr und Gewürze wie Muskat, Vanille und Zimt. Die Nase ist voll und kräftig, der Alkohol ist sehr gut eingebunden.
Am Gaumen dann mehr getrocknete Früchte, Apfel und schöne holzige Röstaromen. Weiterhin dunkle Schokolade, Vanille, etwas Karamell, Buiscuit und Anis. Der Rum erzeugt eine Adstringenz.
Im Abgang dann wieder mehr Süße, mehr Vanille, Karamell und auch wieder ein paar Gewürze. Zum Schluss auch wieder die leichte Garstigkeit aus der Nase. Alkohol stört mich an keiner Stelle.
Der für mich bisher beste Babancourt den ich im Glas hatte und ein grandioser Opener für ein Tasting!
-8.6 von 10.0-
Honey Batcher Guadeloupe 1998
Der Guadeloupe wurde 1998 in der Bellevue Distillery auf der kleinen Insel Marie-Galant destilliert. Manche Quellen schreiben auch, das diese Rums bei Damoiseau destilliert und bei Bellevue gereift wurden. Man sagt ihnen nach, das sie bis Mitte der 2010er Jahre tropisch reiften und erst dann nach Europa kamen. Wie es sich bei diesem Rum verhalten hat weiß ich allerdings nicht. Als Besonderheit wurde dieser Rum nicht aus Zuckerrohrsaft destilliert, sondern aus Melasse. Die Abfüllung erfolgte mit 54%. Eine Flasche kostet 189€.
Die Nase holt mich mit dem ersten schnuppern sofort ab: Orangenmarmelade, Bananenbrot, ein paar rote Früchte, Vanille, Kaffee, ein Strauß Kräuter, Gewürze, etwas Melasse und Lakritz, Tabak, Minze und viel Holz. Nicht im Sinne von überholzt, aber man riecht sein Alter. Leichte Dirty-Aromen finde ich noch. Sehr komplex, braucht aber viel Zeit.
Am Gaumen geht es so weiter: Zitrusmarmelade, Steinobst, getrocknete Beeren, Vanille, Schokolade, Lakritze und Kräuter, vor allem Minze, wo der Gaumen hinschmeckt. Auch am Gaumen sortiert sich das Holz wunderbar zu den anderen Aromen. Auch die Dirty-Aromen schaffen es an den Gaumen. Der Alkohol ist hervorragend eingebunden.
Der Bellevue ist ein extrem gut gereifter und wahnsinnig komplexer Rum, der einen sehr guten Spagat zwischen den fruchtigen, würzigen, kräuterigen und holzigen Aromen hinlegt. Alles ist in einer hervorragenden Balance. Man kann unglaublich viel entdecken.
-9.0 von 10.0-
Honey Batcher Guyana 2020
Der Rum wurde auf der hölzernen Port Mourant im Jahr 2020 aus Melasse destilliert. Die Reifung erfolgte anschließend sechs Jahre kontinental in einem Ex-Bourbon Cask. Abgefüllt wurde er mit kräftigen 69%. Der Preis beträgt 69€
Die Nase zeigt sofort für was diese Still so bekannt ist: Bleistiftspäne galore! Und Apfel. Und etwas Politur. Dazu Lakritz, Anis und junges Holz. Tief im glas zwickt etwas der Alkohol, das wundert aber bei den Prozenten auch nicht. gebt ihm etwas Zeit im Glas damit er sich richtig öffnet.
Auch am Gaumen wieder die berühmten Bleistiftspäne. Nun mit Vanille, Karamell, Röstnoten und Bourbonnoten. Auch das Anis und die Lakritze finde ich mit ein paar weiteren Kräutern wieder. Die Früchte sind nun getrocknet. Auch am Gaumen kann man den Alkohol spüren.
Der Abgang ist etwas kürzen als beim Haiti und bringt Röstaromen, Lakritz, einen Hauch Schokolade, Kräuter und etwas Muskatnuss mit.
Der Port Mourant wirkt wie eine Essenz dieser speziellen Rum-Stilistik, dem man aber seine Jugendlichkeit noch anmerkt, trotz das der Holzeinfluss spürbar ist. Leicht funkt mit spürbaren Bourboneinschlag. Das Preis-Genuss-Verhältniss ist sehr gut.
-8.2 von 10.0-
Fazit
Fabian hat gezeigt das er auch mit alten und sehr wertvollen Fässern umgehen kann und das er es ebenso versteht nicht “nur” junge wilde Rums abzufüllen sondern auch die Spielwiese der etwas gediegeneren Rums beherrscht. gediegen soll hier keinesfalls für langweilig stehen, denn das ist keiner der drei Rums auch nur im Ansatz. Alle vereint ihre Komplexität und die fantastische Trinkbarkeit. Einzig der junge Port Mourant aus diesem Test bedarf etwas Übung im Umgang mit hohem Alkoholgehalt am Gaumen.
Cheers!