Im Test: Brandys von Villa Zarri

Inhaltsverzeichnis

Wenn von Traubenbränden die Rede ist, wandert der Blick fast reflexartig nach Westen, in die Weinberge der Cognac. Cognac ist zur Definition geworden: für kontrollierte Herkunft, für doppeltes Brennen im Charentaiser Alambic. Kaum eine andere Spirituose hat es vermocht, sich derart eng mit einem geografischen Begriff zu verweben.

Und doch wäre es ein Irrtum, die Geschichte und Qualität des Weinbrands auf diese eine Region zu verengen. Jenseits des französischen Narrativs existiert eine oft übersehene Landschaft großer Brandys – von Spanien über den Balkan bis nach Italien. Diese Brandys haben oft nicht das Ansehen großer Handelsmarken, dafür aber oft eine ganz eigenes Terroir.

Villa Zarri

Ein Vertreter dieser unterschätzten Kategorie ist Villa Zarri aus Castel Maggiore. In der Emilia-Romagna, einer Region, die man primär mit Lambrusco und Aceto Balsamico verbindet, entwickelte Guido Fini Zarri seit 1986 eine kompromisslose Version vom italienischen Brandy: reinsortige Destillate aus ausgewählten Weinen aus der Trebbiano Romagnolo Traube (vergleichbar mit der französischen Ugni Blanc), zweifache Destillation in einer Alambic Charentais, lange Reifung in kleinen Eichenfässern.

Tasting

Wir haben drei Abfüllungen getestet:

  • Villa Zarri 10 Assemblaggio Tradizionale
  • Villa Zarri 18 Millesimato (2002-2020)
  • Villa Zarri 23 Millesimato (1997-2020)

Villa Zarri 10 Assemblaggio Tradizionale

Der Brandy ist ein Blend aus Brandys verschiedener Jahrgänge. Die Zehen Jahre beziehen sich dabei auf den jüngsten Bestandteil. Die Abfüllung erfolgte mit 44%. Der Preis beträgt 48€.

In der Nase sehr fruchtig mit Aromen von Orangenschalen, Birne und Bananenbrot mit Vanille erinnern. Dahinter eine leichte Holzwürze, die aber nicht besonders intensiv ist.

Im Geschmack dann auch wieder Zitrusfrüchte und nun doch eine leichte Bitterkeit, eine gewisse Nussigkeit und Aromen von Süßholz. Dazu eine angenehme Würze. Eine leichte Süße schwingt im Hintergrund mit.

Im Abgang fruchtig und trocken. Viel Gewürz, in das die Früchte immer mal kurz hineinploppen.

Ein sehr schöner Einstieg in die Welt der Villa Zarri Brandys. Er ist auf der fruchtigen Seite, bringt aber trotzdem schon Tiefe und Komplexität mit. Wir haben ihn auch schon in Drinks wie dem Philadelphia Fish House Punch oder dem Sidecar getestet und waren von ihm sehr überzeugt. Preislich reißt er auch kein großes Loch in die Geldbörse, liefert dafür aber aromatisch ein lohnendes Upgrade zu vielen Cognacs dieser Preisklasse.

-8.4 von 10.0-

Villa Zarri 18 Millesimato (2002-2020)

Der Brandy reifte für 17 Jahre in einem Fass aus französischer Limousine-Eiche. Danach erhielt ein einjähriges Finish in einem Marsala-Fass. Insgesamt wurden 850 Flaschen abgefüllt. Der Alkoholgehalt beträgt 49%. Der Preis beträgt um die 75€.

In der Nase fällt mir als Erstes die leichte Süße und die Fülle auf. Süßer Apfel, etwas getrocknete Aprikose, etwas Pflaume, viel Vanille, aber auch ein deutlicher Holzkörper. Daneben dezent ätherische Aromen. Das Marsala-Fass hat auf jeden Fall viel Einfluss auf den Brandy genommen. Eine sehr ansprechende Nase.

Im Geschmack finden sich dann auch die bereits in der Nase angedeuteten Holzaromen: Leichte Tannine, pfeffrige Holzwürze, Muskatnuss, etwas Leder, leichte Rösttöne und Zartbitterschokolade. Ein paar leicht süße, getrocknete Früchte laufen in der zweiten Reihe nebenher. Der Alkohol ist hervorragend eingebunden.

Der Abgang ist sehr lang und trocken. Die Früchte aus der Nase treten wieder in Erscheinung, ehe es dann röstig-würzig mit leichter Minze zu Ende geht.

-9.0 von 10.0-

Der Villa Zarri 18 ist ein sehr komplexer Brandy, mit einer schönen Tiefe, der von der Nase bis zum Geschmack durchgängig überzeugt. In den 18 Jahren Reifung haben die Fässer viel an den Brandy abgegeben, ohne zu bitter zu werden. Die Früchte sind dadurch etwas in den Hintergrund getreten. Mir persönlich gefällt das sehr, weshalb ich den Villa Zarri, vor allem für den Preis, uneingeschränkt empfehlen kann. Ein wahnsinnig guter Brandy.

Villa Zarri 23 Millesimato (1997-2020)

Der Villa Zarri 23 wird aus zwei Trebbiano Romagnolo-Weinen aus dem Jahr 1997 hergestellt, die aus verschiedenen Regionen der Romagna stammen. Die Reifung erfolgt über 23 Jahre in 350-Liter-Fässern aus französischer Limousin-Eiche. Das erste Jahr reifte der Brandy in neuen Fässern, danach zog der Brandy in gebrauchte Fässer um. Die Verdünnung auf 45% erfolgt schon während der Reifung mit destilliertem Wasser. Der Preis beträgt knapp 80€.

In der Nase entfaltet sich ein intensiver Duft von Holz aus einer alten Bibliothek und etwas Firnis. Dahinter finden wir getrocknete rote Früchte und etwas Waldhonig, Minze und florale Aromen. Erinnert mich mehr an einen Armagnac als an einen Cognac.

Im Geschmack auch wieder viel Holz, leichte Tannine, viele Gewürze, Lakritz und ein wenig Vanille. Die Früchte sind noch etwas dunkler und ergänzen die Aromatik nur. Die Alkoholeinbindung ist sehr gut.

Auch im langen Abgang bleibt es würzig und tanninig. Wirkt jedoch ganz am Ende etwas dünner als der zuvor getestete.

-8.8 von 10.0-

Auch dieser Brandy gefällt mir sehr gut, auch wenn mir der 2002er noch ein wenig besser gefällt. Am Gaumen wirkt er etwas dünner als der 18er.

Fazit

Ich muss ganz offen gestehen, dass ich dieses Ergebnis in keiner Weise erwartet hätte – nicht zuletzt, weil ich an einen italienischen Brandy bislang keinerlei konkrete Erwartungen geknüpft hatte und mir diese Marke vollständig unter dem Radar geblieben war. Alle drei verkosteten Abfüllungen konnten mich aber auf ganzer Linie überzeugen. Die Brandys wirken gleichermaßen nobel wie kraftvoll, sie besitzen Charakter, Tiefe und lassen ihr Terroir erkennen. Am besten gefallen hat mir der Millesimato 2002 aus dem Marsala Fass. Wer sich nach einem neuen, ernstzunehmenden Weinbrand umsieht, sollte den Produkten von Villa Zarri unbedingt Aufmerksamkeit schenken.

Cheers!

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