Kirschimport hat mal wieder in der Facebookgruppe “Cocktails und Barkultur” zum Online-Tasting eingeladen. Diesmal war das Thema: Mezcal von Amarás. Das Tasting war äußerst kurzweilig. Wir erfuhren etwas über den Erzeuger und die Herstellung, dann ging es auch flott ins Tasting von verschiedenen Qualitäten über. Die Bilder sind Screenshots aus der Präsentation während des Tastings.
Was ist Mezcal?
Mezcal ist eine destillierte Spirituose aus Agave, auch Maguey genannt – beide Begriffe sind synonym. Historisch wurde jede aus Agave gewonnene Spirituose als „Mezcalwein“ bezeichnet, unabhängig von regionaler Differenzierung.
Amarás Mezcal
Amarás gehört zur zweitgrößten Mezcal-Marke Mexikos und zur viertgrößten weltweit. Mit einer Präsenz in über 28 Ländern steht die Marke für internationale Expansion – jedoch mit nachhaltiger Ausrichtung. Im Zentrum steht die Philosophie „Siempre Amarás“ – „Du wirst immer lieben“. Sie bildet das ideelle Rückgrat des Unternehmens. Die Leitidee ist einfach: “Wer etwas liebt, schützt, pflegt und verbessert es kontinuierlich.”
Die Agave benötigt mindestens sieben Jahre bis zur Reife. Diese lange Wachstumsphase zwingt die Produzenten zu strategischer Weitsicht. Nachhaltigkeit ist daher keine Marketingstrategie, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit. Um zukünftige Nachfrage zu sichern, wird mehr Agave gepflanzt als geerntet.
Die drei zentralen Säulen der Unternehmensphilosophie sind:
- Gemeinschaft: Zusammenarbeit mit über 200 Agavenproduzenten, mehr als 20 Maestros Mezcaleros und 50 mezcalproduzierenden Gemeinden. Über 2.500 Menschen profitieren direkt von dieser Struktur.
- Terroir: Kontinuierliche Pflege, Kultivierung und Schutz von 23 Agavenarten. Der respektvolle Umgang mit Boden, Klima und Biodiversität steht im Mittelpunkt.
- Liebe zur Erde: Aktive Bodenschutzmaßnahmen, nachhaltige Erntepraktiken und ein starkes Wiederaufforstungsprogramm verhindern Erosion und sichern langfristig die ökologische Stabilität der Anbaugebiete.
Produktionsphilosophie: Holz, Hitze und Zucker
Amarás Mezcal entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Transformationsprozesse:
- Garen der Agave – Stärke wird in vergärbaren Zucker umgewandelt.
- Zerkleinerung – meist mit Tahona oder mechanisch.
- Offene Fermentation – spontane Hefen, wilde Mikroflora.
- Destillation – meist doppelt in Kupfer- oder Tonsystemen.
Der Rauch, der Mezcal international definiert, entsteht primär beim Erdofen-Garprozess. Entscheidend ist:
- Holzart (Encino, Pirul, Ocote etc.)
- Intensität des Feuers
- Dauer des Garens
- Abdeckung mit Erde
Encino (Weißeiche) erzeugt weichere, elegantere Rauchstrukturen. Mischungen mit Pirul oder Ocote intensivieren phenolische Noten und erzeugen tiefere Rauchimprägnierung im Agavengewebe.
Die Range: Vom Einstieg bis zur Rarität
1. Mezcal Verde
Verde ist bewusst so komponiert, dass der Rauch erst im Nachhall erscheint. Er übersättigt den Gaumen nicht mit Rauch, sondern lädt zum Entdecken ein. Ziel ist es, eine positive erste Mezcal-Erfahrung zu schaffen.
- 42 % Vol.
- Jährlich wechselnde Künstleretiketten
- Fokus auf Bartender und junge Konsumenten
- Ideal für Cocktails
2. Amarás
Diese Linie richtet sich an Konsumenten, die beginnen, Unterschiede zwischen Agavenarten und Herstellungsweisen zu erkennen.
- Preisgekrönt
- Fokus auf Espadín und Spezialagaven wie Cupreata
3. Logia
Logia steht für handwerkliche Knappheit. Die begrenzte Verfügbarkeit der Agaven bestimmt die Produktionsmenge.
- Limitierte Kleinchargen
- Selektion durch den Maestro Mezcalero
- hochpreisig
Tasting
Zu den Tasting-Notes haben wir noch die Cocktail- oder Pairing-Empfehlungen aus dem Tasting dazu geschrieben.
Mezcal Verde
Alkohol: 42%
Benötigt zu Herstellung 6-10 kg Agaven.
Nase:
Gekochte Agave, frische Kräuter, subtile Rauchigkeit.
Gaumen:
Vollmundig, leicht süßlicher Rauch, Mineralien, Kräuter
Finish:
Mittellang und trocken mit rauchig-mineralischen Abschluss
Empfohlene Drinks:
- Hibiskus-Cocktail (Säure verstärkt Rauch)
- Mezcal-Negroni
- Klassische Highballs
Amarás Espadín Joven
Alkohol:
- Mexiko: 41 %
- Europa: 37 %
Die Absenkung in Europa zielt auf höhere Trinkbarkeit („sessionable“).
Benötigt zu Herstellung 6-10 kg Agaven.
Produktionsdetail
Verwendung weniger aggressiver Hölzer (Encino / Weißeiche) für eine sanftere Rauchstruktur.
Nase:
Florale Helligkeit, weißer Pfirsich, leichte Rauchigkeit.
Gaumen:
Rauch zuerst, dann Süße, gekochte Agave, florale Noten.
Finish:
Weicher, weniger rauchig als der Auftakt.
Pairing:
70 % dunkle Schokolade – Kakao verstärkt Erdigkeit und Rauch.
Amarás Reposado
Alkohol: 37%
Reifung: 3 Monate
- Ex-Bourbon-Fässer (amerikanische Eiche)
- Teilweise neue Fässer mit französischen Eichen-Deckeln
Benötigt zu Herstellung 6-10 kg Agaven.
Nase:
Geröstete Vanille, karamellisierter Ahorn, leichte Würze.
Gaumen:
Vanille, Karamell, geröstete Nüsse
Finish:
Kräuter, dezenter Rauch, Vanille, keine Bitterkeit
Hier zeigt sich die Holzdifferenzierung:
- Amerikanische Eiche → Vanille & Süße
- Französische Eiche → Pfeffer, Gewürznelke
Cocktail-Empfehlungen:
- Old Fashioned
- Mezcal Carajillo (Kaffee + Mezcal)
Amarás Cupreata
Alkohol: 41–43 %
Region: Guerrero
Agave: Cupreata
Auszeichnungen: Mehrfach Double Gold beim Concours Mondial de Bruxelles
Benötigt zu Herstellung 20-26 kg Agaven.
Nase:
Milchschokolade, geröstete Noten, getrocknete Chilis, Erdigkeit.
Gaumen:
Frisch, grün, kräuterig, kaum Rauch.
Finish:
Mentholartige Frische.
Die Schokoladennoten entstehen durch Zuckerkaramellisierung beim Rösten und Holzeinfluss während des Gärprozesses.
Empfohlener Drink:
„Cupra-Tini“ – Zitronenzeste & rosa Pfeffer.
Amarás Logia – Sierrudo (Agave Americana)
Alkohol: 46 %
Limitierung: 5.162 Flaschen (2025)
Benötigt zu Herstellung 10-14 kg Agaven.
Agave: Agave Americana Subspecies „Sierrudo“
„Sierrudo“ verweist auf die sägeartigen Dornen der Blätter. Diese Agaven wachsen ohne künstliche Bewässerung. Klimatischer Stress – Hitze, Kälte, Wassermangel – führt zu erhöhter Zuckerbildung und komplexeren Aromavorstufen.
Nase:
Subtile Mineralität, Kalkstein, leichte Salzigkeit.
Gaumen:
Mittlerer bis hoher Rauch, trockene Erde, mineralische Tiefe, leichte Kräuterigkeit.
Finish:
Kühle, kalkige Frische, Honignote, weiße Blüten.
Food Pairing:
Pfirsich, Pflaume, Kirsche – Steinobst verstärkt Mineralität.
Lagerfähigkeit:
5–10 Jahre in der Flasche (dunkel gelagert).
Fazit
Das war eine spannende Reise durch verschiedene Qualitäten des Erzeugers. Mir persönlich hat die Cupreata Abfüllung am besten gefallen, weil sie sich für mich dann doch von den bisher gekosteten Mezcal abgehoben hat und ein ganz eigenständiges Aromenbild liefert, bei dem es sehr viel zu entdecken gibt. Besonders beeindruckend empfand ich auch den Unterschied zwischen den Aromen in der Nase und denen am Gaumen.
Cheers!
