Monday Rumday: Asien im Glas (und ein Japaner, der keiner war)

Kokoswasser, Rum und einmal quer durch Asien: was Dirk Becker und wir an einem tropischen Montag ins Glas gepackt haben.

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Es war einer dieser Berliner Montage, an denen man im Prinzip nur noch in den Kühlschrank ziehen möchte. Stattdessen haben Hendrik und ich uns bei Dirk Becker im Rum Depot eingefunden, zum „Monday Rumday”, der Sendung mit dem Rum. Tropisch warm war es drinnen wie draußen, eine knappe Stunde Fachsimpeln lag vor uns, und das Thema hätte spannender kaum sein können: Rum aus Asien. Spontan zusammengekommen, ein paar Tage vorher verabredet, Gläser waren zum Glück genug da.

Dirks Antwort auf die Hitze stand im Glas, bevor die erste Flasche offen war: Kokoswasser mit einem dezenten Schuss Rum. Eine Idee, die er sich vor zwanzig Jahren auf Barbados abgeschaut hat, irgendwo zwischen Rum-Shop und Schnellstraße, wo dir jemand frisch die Kokosnuss aufschlägt und du dir den Rest selbst dazukaufst. Hundertprozentiges Kokoswasser, ein Schluck Rum obendrauf, ein Sack Eis dazu, fertig ist der Drink für den Hitzerekord. Klingt simpel, trägt aber erstaunlich weit durch so einen Abend. Kokoswasser mit Rum ist der neue Shit, um Dirks Worte zu wiederholen.

Vietnam, zweimal: die Entdeckung des Abends

Losgegangen ist es mit einem Weißen aus Vietnam, dem Ha Long aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft. Eine junge Destille, hinter der eine vietnamesische Unternehmerin und ein Schweizer Brennmeister stehen, der mittlerweile gefühlt dritte Schweizer Aussteiger, von dem wir in Sachen Vietnam hören; vielleicht ist es aber auch immer derselbe. Eigene Hefe, dazu zwei Wochen Fermentation, danach geht der Rum für ein paar Monate in Tonkrüge, die nicht ganz hermetisch schließen und so, ähnlich wie beim Obstbrand, ein paar Kanten rausnehmen sollen. 40 Prozent, die in der Nase deutlich mehr versprechen — am Gaumen dann überraschend weich und rund, mit einer eigenständigen, nicht agricole-typischen Note. Ein richtig gutes Produkt, da waren wir uns einig. Eine Entdeckung.

Der dazugehörige Ha Long Gold war sechs Monate im Krug und sechs im Holz, unter anderem in vietnamesischem Mangoholz, dazu Hickory und Ahorn. Schöne Frucht, eine leicht ätherische Holznote, sehr zugänglich. Im direkten Vergleich hatten Dirk und Hendrik am Ende den Weißen vorne, mir gefiel der goldene einen Hauch besser. Wen die Rums interessieren: Beide kommen zum diesjährigen German Rum Festival.

Der “Japaner”, der in Spanien abbog

Dann der Aufreger des Abends — im besten Sinne. Hendrik hatte am Flughafen eine Flasche mit „Japanese aged” auf dem Etikett mitgenommen. Nur: Bei näherem Hinsehen führte die Spur nicht nach Japan, sondern zu einem spanischen Abfüller. Die Japaner sind beim Thema Herkunft eigentlich gnadenlos genau, hier blieb davon wenig übrig. Und im Glas leider auch nicht: künstlich, schnell ins Negative kippend, am Ende von Dirk kurzerhand ausgekippt. Die einzige Niete des Abends und ausgerechnet die kam vermutlich gar nicht aus Asien. Insofern: nicht deren Schuld.

Thailand: der Sipper mit Stil

Versöhnt hat uns Thailand, und zwar souverän, mit dem Phraya 8. Gebrannt bei SangSom, einer der ältesten Destillen des Landes (gegründet 1977, heute Teil von ThaiBev); die Marke Phraya selbst kam 2011 dazu. Acht Jahre in Ex-Bourbonfässern, die angeblich in lagunengekühlten Lagerhäusern reifen, 40 Prozent, ohne Zuckerzusatz. Holzige Würze, Vanille, eine schöne Komplexität, die nie anstrengend wird. Der klassische Stoff, den du dir abends einschenkst und einfach trinkst. Den kann man eigentlich jedem hinstellen, der es nicht übersüßt mag. In der Blindverkostung würde da niemand auf Thailand tippen.

Aus demselben Haus stammt übrigens der Velier SangSom „Shakara”, den es als 12- und 15-Jährigen gibt, deutlich kräftiger und älter, irgendwo zwischen 45 und 55 Euro. Schön zu sehen, wie viel Bandbreite eine einzige Quelle hergibt.

Warum asiatische Rums so unterschiedlich schmecken? Terroir und Hefe vor allem, dazu die neuen Holzarten und ein Klima, das die Fässer ordentlich arbeiten lässt. Indien und die Philippinen — also ausgerechnet die Volumen-Riesen der Region — haben wir bewusst ausgelassen. Die wären locker eine eigene Folge wert. Auch wenn die Philippinen es im Rum-Depot naturgemäß schwer haben. IYKYK.

Vom Rum weg: Geist, Obstler, Reiswein

Zum Schluss haben wir die Welt des Rums verlassen. Mitgebracht hatten wir einen Sudachi-Geist von Spiritus Rex, dem Nachfolger der legendären Stählemühle — eine japanische Zitrusfrucht, die man hierzulande kaum bekommt, destilliert zu einer winzigen Auflage. Komplett natürlich, kein Parfüm, viel Würze neben dem Zitrus. So etwas landet zu Recht in Sterneküchen. Drumherum ein kurzer Schwenk in die Obstler-Ehrenrettung (für einen guten Brand brauchst du eben deine 60 Kilo Frucht pro Liter, Rochelt und Konsorten lassen grüßen) und dann, als kleines Wagnis, ein koreanischer Makgeolli: einmal kräftig schütteln, Reissatz inklusive, eine fast schon brausepulverartige Kohlensäure. Vom Gefühl her Federweißer in der Endstufe. Gekühlt überraschend angenehm, und sicherlich auch noch gut für den Darm.

Und danach noch ein 1966er

Als die Kamera aus war, saßen wir noch in kleiner Runde zusammen und haben ein paar aktuelle Spirituosen und einzelne Highlights durchprobiert. Dirk hat dafür einen Bally Jahrgang 1966 eingeschenkt, den er sich zum 60. Geburtstag gegönnt hatte. Dafür an dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön — ein feiner Tropfen und ein schöner Abschluss eines Abends, der von vorne bis hinten Spaß gemacht hat.

Die ganze Folge könnt ihr euch hier noch mal anschauen.

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