Tanduay dürfte vielen Rumtrinkern in Deutschland noch immer kein wirklicher Begriff sein. Dabei handelt es sich keineswegs um eine kleine, obskure Brennerei, deren Fässer irgendwo im philippinischen Hinterland vor sich hin reifen. Ganz im Gegenteil: Tanduay ist der meistverkaufte Rum der Welt und ist in seiner Heimat eine echte Institution.
Seit Kammer-Kirsch den Vertrieb in Deutschland übernommen hat, wächst das hier erhältliche Sortiment langsam, aber stetig. Neben dem Asian Rum Gold, dem Double Rum und verschiedenen gereiften Abfüllungen kommt nun mit dem Tanduay Sauternes Cask Finish ein Rum nach Deutschland, der sich ein wenig von den bisherigen Veröffentlichungen abhebt.
Sauternes-Finishes sind im Rum zwar längst keine Seltenheit mehr, funktionieren aber nicht automatisch. Das süße Weinfass kann einem Destillat mehr Frucht, Honig und Fülle verleihen. Es kann den eigentlichen Rum aber auch relativ schnell mit einer dicken Schicht aus Wein, Vanille und klebriger Süße überziehen.
Beim Tanduay war ich deshalb durchaus gespannt. Der eher leichte, saubere Stil der Brennerei könnte gut mit einem aromatischen Süßweinfass harmonieren. Gleichzeitig besteht bei solchen Rums immer die Gefahr, dass nach dem Finish nicht mehr viel vom Destillat übrig bleibt.
Die Brennerei
Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Heute betreibt Tanduay mehrere Produktionsstandorte auf den Philippinen und verarbeitet Melasse aus lokal angebautem Zuckerrohr. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Insel Negros, die als Zentrum der philippinischen Zuckerindustrie gilt.
Für die Produktion verwendet Tanduay sogenannte Grade-A-Melasse. Darunter versteht der Hersteller eine vergleichsweise zuckerreiche Melasse aus einer frühen Stufe der Zuckergewinnung. Destilliert wird überwiegend auf leistungsfähigen Kolonnenanlagen.
Wer hier also einen schweren, öligen Pot-Still-Rum mit vergorener Tropenfrucht, Lösungsmittel und einer ganzen Ladung Ester erwartet, ist an der falschen Adresse. Tanduay bewegt sich stilistisch eher in Richtung der leichteren, spanisch geprägten Rumtradition.
Der Tanduay Sauternes Cask
Der Tanduay Sauternes Cask Finish gehört zur sogenannten Tesoro Range. Als Grundlage dient ein Rum, der auf einer Multi Column Still destilliert wird. Anschließend reift er für mindestens vier Jahre in ehemaligen Bourbonfässern. Darauf folgt ein neunmonatiges Finish in Fässern, die zuvor mit Sauternes belegt waren. Die gesamte Lagerung findet im tropischen Klima der Philippinen statt.
Abgefüllt wird der Rum mit 42 Prozent Alkohol. Damit liegt er etwas über den üblichen 40 Prozent vieler Tanduay-Abfüllungen. Laut den bisher verfügbaren Informationen wird auf Zusätze verzichtet. Preislich liegt die Flasche bei etwa 35 Euro.
Was ist eigentlich Sauternes?
Sauternes ist ein französischer Süßwein aus dem Bordeaux. Er wird hauptsächlich aus den Rebsorten Sémillon und Sauvignon Blanc hergestellt, teilweise ergänzt durch Muscadelle. Das Besondere ist die sogenannte Edelfäule. Der Pilz Botrytis cinerea befällt unter geeigneten klimatischen Bedingungen die Trauben und sorgt dafür, dass diese Wasser verlieren. Zucker, Säure und Aromastoffe konzentrieren sich dadurch. Der Wein aus diesen Trauben entwickelt dadurch eine ganz eigene, intensive Aromatik.
-8.0 von 10.0-
Tasting
In der Nase zeigt sich der Rum zunächst überraschend zurückhaltend. Dann kommen zuerst Vanille, heller Honig und eine leicht geröstete Kokosnote. Gerade die Kokosnuss ist bei mir ziemlich deutlich. Sie erinnert weniger an frisches Kokoswasser, sondern eher an Kokosraspeln, die kurz in einer trockenen Pfanne angeröstet wurden, jedoch nicht so intensiv wie man das von den Foursquare-Abfüllungen kennt. Dazu gesellen sich etwas Karamell, Mandeln, Orangenzesten und helle Eiche. Die Bourbonfässer sind also durchaus noch vorhanden und werden nicht vollständig vom Finish verdrängt.
Am Gaumen startet der Tanduay weich und leicht cremig. Auch hier ist die Kokosnuss sofort wieder da. Sie ist sogar noch deutlicher als in der Nase und verbindet sich mit Vanille, Karamell, weißer Schokolade und Mandel. Danach kommen helle Trockenfrüchte. Hinten heraus zeigt sich etwas mehr Holz. Die Eiche bleibt aber mild und bringt nur eine dezente Bitterkeit mit. Dazu kommen eine leichte Pfeffernote und etwas Muskat.
Der Abgang ist mittellang und angenehm warm: Vanille und geröstete Kokosnuss bleiben am längsten erhalten. Dazu kommt eine sanfte Eichenwürze. Die fruchtigen Noten ziehen sich relativ schnell zurück. Ganz am Ende bleibt eine leicht trockene, nussige Note, die dem Rum ganz guttut und verhindert, dass er zu süß endet.
Fazit
Weinfass-Finishes sind inzwischen beinahe überall zu finden. Das führt nicht automatisch zu besseren Produkten. Gerade intensive Süßweinfässer werden gerne verwendet, um jungen oder weniger ausdrucksstarken Destillaten nachträglich mehr Aroma zu verpassen. Auch beim Tanduay könnte man natürlich argumentieren, dass das Sauternes-Fass einen relativ leichten Grundrum interessanter machen soll. Das stimmt vermutlich sogar. Entscheidend ist aber, ob das Ergebnis funktioniert. Und das tut es hier.
Der Rum besitzt weiterhin den typischen Tanduay-Stil: Vanille, Karamell, Kokos und sanfte Eiche. Das Sauternes-Fass setzt Honig, Fruchtigkeit und ein paar Tannine darauf, wodurch der Tanduay etwas länger gereift wirkt als er ist.
Der Tanduay ist ganz klar auf Zugänglichkeit ausgelegt. Er besitzt keine Ecken und Kanten, fordert den Trinker nicht zu sehr und lässt sich ziemlich entspannt nebenbei trinken. Nicht jeder Rum muss analysiert, seziert und eine halbe Stunde lang im Glas untersucht werden. Manchmal möchte man einfach einen entspannten Sipper, der ein erkennbares Profil besitzt und nicht nach dem zweiten Glas langweilig wird.
Für Einsteiger dürfte er interessant sein, weil Alkohol und Holz sehr gut eingebunden sind. Gleichzeitig bietet das Sauternes-Finish genügend Eigenständigkeit, um auch für erfahrenere Rumtrinker zumindest einen Versuch wert zu sein. Bisher der Tanduay der mir persönlich am besten gefallen hat.
Cheers!