Im Test: The Virtues – Diligence

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Die nächste Virtues-Abfüllung von Rob Bauer steht in den Startlöchern, Diesmal geht die Reise in die französische Normandie, genauer in die Keller von Comte Louis de Lauriston. Wie schon in der “The Sins”-Reihe – bis heute die am höchsten bewertet Spirituose auf diesem Blog – wandert ein Calvados Domfrontais in die Flaschen. Meine Vorfreude ist jedenfalls schon extrem groß.

The Virtues – Diligence

Der Calvados Domfrontais entstammt wie gesagt den Kellern von Comte Louis de Lauriston. In diesen Kellern lagern verschiedene Calvados Produzenten, früher auch Schwarzbrenner (sogenannte Moonshiner), ihre Brände. Anlass war die Verhaftung mehrerer Schwarzbrenner im Winter 1962. Damals eilten andere Brenner zur Hilfe und überwältigten die Beamten und blockierten weitere Verhaftungen mit ihren Traktoren. Graf Louis de Lauriston verhandelte anschließend mit den regionalen Behörden und löst den Konflikt. Danach bot er den Brennern an seine Keller zu nutzen.

Der hier abgefüllte Calvados Domfrontais wurde im Jahr 1993 aus Birnen und Äpfeln in einem Mischungsverhältnis von 60:40 auf einer Kolonne destilliert. Über den genauen Erzeuger war nichts zu erfahren, nur das er aus dem Dorf Chanu stammt. Die Abfüllung in die 183 Flasche erfolgte in Fassstärke mit 53%. Eine Flasche wird 285€ kosten. Der Verkauf startet am 27.03.26.

das Etikett

Tasting

Die Nase startet mit wuchtigen Noten von Mahagoniholz mit leicht eingetrocknetem Firnis und etwas Humidor. Daneben schwingen Apfelmost, Lakritz, Zartbitterschokolade, etwas Hefeteig und Patchuoliblüten mit. Die Nase ist sehr ätherisch und dicht. Gebt ihm unbedingt viel Zeit im Glas!

Am Gaumen dann auch wieder sehr reifes Holz, Zartbiterschokolade, Kräuter, balsamische Aromen die an Sandelholz erinnern, schwarzen Tee und oxidative Tiefe. Am Gaumen finde ich dann die Birne, weniger den Apfel, die sowohl frisch als auch getrocknet zu finden ist. Auch den Patchouli kann ich wieder finden. Der Geschmack ist fordernd, aber nicht überfordernd.

Der Abgang ist zunächst etwas bitter mit leichten Assoziationen von Zitrusschalen und wieder schwarzem Tee. Dann wird es wird es wieder etwas süßer mit einem sehr langen, birnigen Nachhall.

-9.5 von 10.0-

Fazit

Der Comte Louis de Lauriston ist ein intensiv gereifter Calvados Domfrontais, bei dem die Frucht in den Hintergrund tritt und die balsamische Fülle assistiert, ohne jedoch zu verblassen. Die Fassreife ist kein dekoratives Element, sondern integraler Bestandteil der Komposition. Oxidative Noten, dunkle Gewürze und eine subtile Bitterkeit verschmelzen mit der Frucht zu einem Gesamtbild von beeindruckender Tiefe. Der 1964er Drouin hat im Vergleich einen fetteren Fruchtkörper, der hier getestete Calvados ist dafür noch einiges komplexer.

Der Diligence ist eine Abfüllung, die den eingeschlagenen Weg der Reihe konsequent weiter geht und den aromatischen roten Faden weiterspinnt. Das ist kein Calvados für den schnellen Eindruck und kein Begleiter für beiläufige Verkostungen. Es ist eine Abfüllung für erfahrene Genießer, die sich bereits mit verschiedenen Spirituosen-Kategorien auseinandergesetzt haben und bereit sind, Zeit und Muße zu investieren, um einen Brand zu dechiffrieren. Denn genau das verlangt diese Abfüllung: Aufmerksamkeit, Geduld und sensorische Erfahrung. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer Komplexität belohnt, die weit über das hinausgeht, was man gemeinhin von Apfel- und Birnenbrand erwartet.

Cheers!

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