Einen Moment lang sah es so aus, als würde Nina Vorster der Spirituosenbranche für immer den Rücken kehren. Die Trennung von ihrer vorherigen Firma war vollzogen, die Entscheidung schien klar: entweder komplett raus aus dieser Welt oder 100 Prozent sie selbst sein. „Ich hätte einen kompletten Cut gezogen“, sagt sie heute. Doch dann kam das German Rum Fest 2025, sie ging als Besucherin hin – und wurde so herzlich empfangen, dass jemand vor Rührung ein Tränchen verdrückte. In diesem Moment wusste sie: „Genau deswegen bin ich zurückgekommen.“
Zurückgekommen ist sie mit Jack Crap Spirits, einem Namen, der so trotzig klingt wie eine ausgestreckte Mittelfinger an alle, die in dieser Branche gern mal etwas unter den Teppich kehren. Der Name spielt mit der amerikanischen Redewendung „I don’t give jack crap“ – ist mir scheißegal. Bei Vorster wird daraus „Because we give a crap“ – weil es uns verdammt nochmal interessiert. Interessiert, was in der Flasche ist. Interessiert, wer den Rum produziert hat. Interessiert, welchen CO₂-Fußabdruck eine Flasche hinterlässt.
Das Transparenz-Manifest
Was Nina Vorster in all den Jahren in der Branche erlebt hat, ließ sie nicht mehr los. „Wir wissen alle, dass da das eine oder andere Mal gemauschelt oder vertuscht wird“, sagt sie ohne Umschweife. Ihre Antwort darauf ist radikal simpel: Sie macht so viel wie möglich anders. Auf ihren Flaschen steht nicht nur, dass Zucker drin ist – sondern exakt wie viel. 18 Gramm beim dominikanischen Rum, 59,3 Gramm beim Spiced. „Bei Lebensmitteln ist das doch auch selbstverständlich“, sagt sie. „Warum nicht bei Spirituosen?“
Die EU-Verordnung unterscheidet ab 20 Gramm Zucker nur zwischen „Rum“ und „Spirituose“. Für Vorster ist das ein schlechter Witz. „Ich kann 21 Gramm zugeben oder 99 Gramm – und bin in derselben Kategorie.“ Also druckt sie die Nährwerttabelle auf jede Flasche, gibt jede Destillerie namentlich an und kommuniziert transparent, welche Zusätze verwendet werden. „Ihr könnt mich alles fragen, was ihr zu dem Produkt wissen möchtet. Was ich weiß, gebe ich preis.“
Diese Haltung hat Konsequenzen, auch absurde. Weil auf einem Label „0 Gramm Zucker hinzugefügt“ steht, fällt sie plötzlich unter eine Verordnung, die eine Nährwerttabelle vorschreibt. „Ich dachte, so blöd kann doch kein Konsument sein und denken, das Produkt sei jetzt kalorienreduziert“, sagt sie kopfschüttelnd. „Aber das Land glaubt ja offenbar auch, der Konsument könne ein Sojaschnitzel nicht vom normalen Schnitzel unterscheiden.“ Heute steht die Nährwerttabelle auf allen ihren Produkten. Aus Prinzip.
Von der Plantage bis zum Glas
Nachhaltigkeit ist für Vorster keine Marketing-Phrase, sondern Verantwortung, die auf dem Zuckerrohrfeld beginnt und beim Konsumenten endet. Ihre Flaschen bestehen zu 95 bis 100 Prozent aus recyceltem Glas. Die Schrumpfkapseln aus PLA. Die Korken sind gefertigt aus Kork und Aktivkohle. Die Labels werden aus Zuckerrohrpapier hergestellt – einem Abfallprodukt der Zuckerproduktion. Auf jeder Flasche steht der CO₂-Fußabdruck, und zukünftig will sie den Ausstoß durch Aufforstungsprojekte im Schwarzwald kompensieren.
„Verantwortung beginnt bei den Menschen, die unter harter körperlicher Arbeit auf dem Feld ernten“, sagt Vorster. Deshalb arbeitet sie nur mit Partnerbrennereien zusammen, die ihre Philosophie teilen und teilweise zu 99 Prozent CO₂-neutral produzieren. Sogar die Vegan-Zertifizierung ihrer Produkte, die manche in der Branche belächeln, ist für sie konsequent. „Das öffnet mir womöglich eine Tür zu einer Zielgruppe, die ich vorher noch gar nicht auf dem Schirm hatte.“
Drei Rums, drei Philosophien
Ihr Portfolio erzählt die Geschichte einer Frau, die Rum für alle zugänglich machen will – vom Nerd bis zum Einsteiger. Der Honest Venezuelan Rum 15 Jahre, mit 55 Prozent und ohne jegliche Zusätze abgefüllt, ist das „nerdigste“ Produkt ihrer Range. Vanille, dunkle Früchte, eine angenehme Pfeffrigkeit im Abgang – ein Rum für Kenner, der eigentlich gar nicht als erstes kommen sollte. „Lieferverzögerungen“, sagt Vorster lakonisch.
Der Honest Dominican Rum 12 Jahre ist ihr Brückenschlag. Sie importierte ihn mit 63 Prozent, probierte ihn – „ein absolutes Brett“ – und entschied sich dann doch für 45 Prozent mit 18 Gramm Nachsüßung. „Das hätte mich wieder auf meine Nerd-Freunde beschränkt“, erklärt sie. „Ich möchte die Türen für Rum öffnen, für jedermann.“
Und dann ist da der Honest Choc-Nut Spiced, eine aromatisierte Spirituose mit Erdnussbutter, Schokolade, Kakao, Karamell und einer Prise Salz. Ein Produkt, das zeigt: Vorster fürchtet sich nicht vor gesüßten Varianten, solange sie transparent damit umgeht. „Vielfalt und Authentizität sind das Herzstück unserer Marke.“
- ✔ 12 Jahre gereifter Rum aus der Dominikanischen Republik
- ✔ Single-Origin-Abfüllung mit klarer Herkunft
- ⭐ AUTHENTISCHER VENEZUELANISCHER RUM Der Honest Venezuelan Rum stammt aus ausgewählten venezolanischen Destillaten…
- ⭐ KRÄFTIGE 55% VOL. – PURE AROMENPOWER Mit seinem Alkoholgehalt von 55% bringt dieser Rum intensive, vielschichtige…
- ✔ 4 Jahre gereifte Spiced Spirituose
- ✔ Intensive Schokoladen- und Nussaromen
Die Rechnung ohne den Markt
Dass sie in schwierigen Zeiten startet, ist Vorster bewusst. Der Markt ist gesättigt, seit der Private-Label-Boom – ähnlich wie zuvor bei Gin – auch den Rum erfasst hat. „Der Kuchen verteilt sich auf immer mehr“, sagt sie. Die Konsumenten halten ihr Geld zusammen, besonders im mittleren Preissegment zwischen 60 und 150 Euro wird es eng. Unter 30 Euro läuft es, über 150 Euro auch wieder – aber dazwischen? „Sehr schwierig greifbar.“
Trotzdem bleibt Vorster optimistisch, weil ihr Konzept auf mehr als nur Geschmack setzt. „Meine Produkte verkaufen sich am besten übers Probieren, klar. Aber die Leute kaufen auch eine Story.“ Eine Story von Transparenz, Nachhaltigkeit und Haltung in einer Branche, in der das noch längst nicht selbstverständlich ist.
Mehr als eine Flasche
Nina Vorster hat gelernt, dass Unternehmerinnen-Sein härter ist, als gedacht – nicht beim Verkauf, darauf war sie vorbereitet, sondern bei den Dingen drumherum. Die Bürokratie, die absurde Hürden aufstellt. Die Social-Media-Arbeit, die unendlich Zeit frisst. Die Lieferketten, die sich auch ohne Hurrikane verzögern. „Es gab mehrere Momente, wo ich dachte: Warum habe ich mir das angetan?“
Ihre Vision geht über die eigene Marke hinaus. Sie will, dass andere Produzenten sich an ihrem Beispiel orientieren – nicht weil sie alles perfekt macht, sondern weil sie versucht, Dinge besser zu machen. „Nicht nur auf den Profit zu schauen, sondern auch zu fragen: Kann ich damit was Gutes bewirken?“ Geplant ist sogar Merchandise – Hoodies mit Statements für Menschen, die Jack Crap Spirits als Rum vielleicht nicht konsumieren, aber die Haltung dahinter teilen.
Neben ihren eigenen Abfüllungen vertreibt Vorster mittlerweile auch andere Marken: Ron Dos Mares aus Panama, den französischen Kräuterlikör Pagès, El Ron del Artesano und Honey Badger. Ursprünglich wollte sie nur ihre eigene Marke anbieten – „das ist einfacher für den Konsumenten“. Aber wenn ein Händler auf der Messe nach etwas anderem sucht, kann sie jetzt aus einem breiteren Portfolio schöpfen. Das macht die Sache komplizierter, aber auch stabiler.
Die Rückkehr
Kostenbewusst war Nina Vorster schon immer. Als Angestellte übernachtete sie wenn möglich bei Freunden statt im Hotel, flog Economy statt Business. Als Teilhaberin mit 35 Prozent steuerte sie die Finanzen so, als wäre es ihr eigenes Geld. Jetzt, wo es zu 100 Prozent ihr eigenes Geld ist? „Hat sich nichts geändert. Ich war schon immer sehr geldbewusst.“
Diese Bodenständigkeit, gepaart mit ihrem Anspruch an Transparenz, macht Jack Crap Spirits zu mehr als nur einem weiteren Label auf einem überfüllten Markt. Es ist ein Versprechen. Und vielleicht der Anfang einer Bewegung, in der Spirituosenhersteller nicht mehr nur fragen „Was können wir verkaufen?“, sondern auch „Was können wir verantworten?“
Heute steht Nina Vorster mit drei eigenen Flaschen auf Messen, die eine klare Botschaft senden: Ehrlichkeit ist möglich. Nachhaltigkeit ist machbar. Und Haltung ist verkaufbar – man muss nur den Mut haben, sie zu zeigen.
Letzte Aktualisierung am 24.03.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API