Die Rums der SLIA-Reihe gehören eigentlich nicht unbedingt zu dem, was wir normalerweise testen. Dadurch, dass diese Abfüllung jedoch erstmals ungezuckert ist, weckt sie aber unser Interesse. Die verschiedenen Abfüllungen dieser Reihe nehmen einen namentlichen Bezug auf den “Ostseefjord” Schlei, der norddeutschen Heimat von Rum & Co. Zusätzlich haben wir den SLIA Kaffe-Likör auf seine Mixability getestet.
SLIA Faro – jetzt auch ohne Zucker
Bei dem Blend handelt es sich um eine Komposition aus Rums der Dominikanischen Republik sowie aus Barbados – vermutlich ist auch ein Rum von Foursquare Rum Distillery enthalten. Ergänzt wird der Blend laut Etikett durch „einen feinen Hauch jamaikanischen Funk“. Bleibt zu hoffen, dass dieser jamaikanische Charakter im Profil nicht zu kurz kommt. Der Blend ist, wie bereits erwähnt, ungezuckert, aber gefärbt. Die Abfüllung erfolgte mit leicht erhöhten 43%. Eine – unserer Erfahrung nach – sehr gute Abfüllstärke um Aromen zu transportieren, aber auch den ungeübten Gaumen nicht zu überfordern. Der Name “Faro” bezeichnet in Norddeutschland den Leuchtturm. Der Preis beträgt 45€.
Tasting
Der Faro liegt, trotz Färbung, nicht übermäßig dunkel im Glas. In der Nase zeigen sich tatsächlich deutliche tropische Fruchtnoten, begleitet von einer sehr feinen Würze. Dazu kommen ein nur minimaler Holzeinfluss sowie eine dezente Säure. Im Hintergrund lässt sich zudem ein leichter Eindruck von Zuckerrohrsaft wahrnehmen. Das gefällt mir bereits ausgesprochen gut. Der Rum wirkt weder überladen noch übermäßig komplex oder extrem aromatisch, dafür aber angenehm cremig, stimmig und sehr zugänglich, ohne zu überfordern.
Am Gaumen fällt sofort auf, wie gut der Alkohol eingebunden ist. Die Abfüllstärke von 43 % Vol. ist hier sehr gut gewählt. Geschmacklich zeigt sich erneut die jamaikanische Komponente mit ihren Noten von tropischen Früchten und Estern, begleitet von etwas Melasse und einer leicht würzigen Note, die am ehesten an Piment erinnert. Diesen Eindruck würde ich vor allem dem Barbados-Anteil zuschreiben. Die Komponente aus der Dominikanischen Republik lässt sich für mich nicht klar herausarbeiten. Im Nachgeschmack finde ich Früchte, eine ganz leichte Säure und wieder etwas Lakritz.
Fazit
Sehr wahrscheinlich handelt es sich um eher junge Rums, die ausschließlich kontinental gereift wurden. Das bleibt allerdings eine Vermutung und könnte sich ebenso als falsch herausstellen. Insgesamt wirkt das Profil jedoch recht jugendlich. Der Abgang fällt etwas kurz aus, was in dieser Preisklasse ebenso erwartbar ist wie angesichts des vermuteten jungen Alters der verwendeten Destillate – und deshalb auch vollkommen nachvollziehbar bleibt. Die Entscheidung, auf zusätzliche Süßung zu verzichten, steht diesem Blend meiner Meinung nach ausgezeichnet.
SLIA Kaffee Rumlikör
Mit dem SLIA Kaffee erweitert Rum & Co seine noch junge SLIA-Reihe um einen Kaffeelikör auf Rumbasis. Die Grundlage bildet karibischer Rum, der in Deutschland mit Kaffeeextrakten beziehungsweise gerösteten Kaffeearomen veredelt, gesüßt und abgefüllt wird. Der Likör besitzt einen Alkoholgehalt von 28 % vol. und wird in der 0,7-Liter-Flasche für rund 22,90 Euro angeboten. Zudem enthält er Zuckerkulör als Farbstoff. Konkrete Angaben zur Herkunft des verwendeten Rums, zu den eingesetzten Kaffeebohnen oder zum Herstellungsverfahren macht der Hersteller jedoch nicht.
Tasting
In der Nase präsentiert sich der SLIA Kaffee mit intensiven Röstaromen frisch gemahlener Kaffeebohnen, begleitet von dunkler Schokolade und einem feinen Hauch Vanille. Am Gaumen überzeugt er durch eine angenehme Balance aus natürlicher Kaffeebitterkeit und moderater Süße. Der Rum sorgt für eine weiche Textur, ohne die Kaffeenoten zu überdecken. Dadurch wirkt der Likör deutlich erwachsener als viele Vertreter seiner Kategorie, die häufig von Zucker dominiert werden. Der Nachklang bleibt angenehm röstig und aromatisch.
Fazit
Pur leicht gekühlt macht der SLIA Kaffee ebenso eine gute Figur wie als Zutat im Espresso Martini oder zu Desserts. Wer einen Kaffeelikör sucht, bei dem tatsächlich Kaffee und Rum im Mittelpunkt stehen und nicht ausschließlich die Süße, findet hier eine gelungene und vielseitige Alternative. Lediglich die geringe Transparenz hinsichtlich der verwendeten Rohstoffe und der Herstellung verhindert eine noch bessere Einordnung.
Und weil beide Abfüllungen so gut zusammenpassen haben wir für euch zwei Rum-Kaffee-Cocktails herausgesucht. Viel Spaß beim Nachmixen!
Cocktail-Empfehlungen
Mr. Bali Hai (1950er)
Einer der berühmtesten Kaffee-Tiki-Drinks überhaupt – benannt nach dem Restaurant „Bali Hai“ in San Diego.
Rezept
- 45 ml SLIA Faro
- 30 ml weißer Rum
- 20 ml SLIA Kaffee Likör
- 45 ml Ananassaft
- 30 ml Zitronensaft
- 15 ml Zuckersirup
Alle Zutaten mit viel Eis kräftig shaken und in einen Tiki-Mug mit viel Eis abseihen.
Rum Espresso Martini
Der moderne Klassiker schlechthin. Statt Wodka wird gereifter Rum verwendet – besonders gut funktionieren Guyana-, Barbados- oder jamaikanische Pot-Still-Rums.
Rezept
- 50 ml SLIA Faro
- 30 ml frischer Espresso
- 20 ml SLIA Kaffee-Likör
- 10 mll Demerara-Sirup oder normalen Zuckersirup
Kräftig shaken und in eine Coupette abseihen. Mit Kaffeebohnen dekorieren.
Cheers!