Der Professor Langnickel ist ein unterschätzter Cocktail: Kirschwasser, ein ganz bestimmter Kirschlikör und ein opulenter Sherry ergeben zusammen etwas, das gleichzeitig gefällig und komplex ist. Hier findest du Rezept, Hintergrund aus dem Le Lion in Hamburg – und die Details, die darüber entscheiden, ob der Drink großartig wird oder nur süß.
Warum mich dieser Name sofort hatte
Professor Langnickel. Allein der Name klingt, als müsste gleich irgendwo ein Biedermeier-Sofa knarzen. Und genau deshalb ist er so gut: Während bei vielen Drinks exotische Ferne oder glamouröse Vergangenheit mitschwingt, wirkt der Professor Langnickel erstmal unerquicklich deutsch – und ist dann im Glas alles, nur nicht langweilig.
Der Drink ist gefällig und komplex zugleich – und war seiner Zeit voraus. Denn die Basis ist Kirschwasser, und das war 2008, als der Cocktail entstand, alles andere als die Standardzutat der modernen Barszene.
Rezept: Professor Langnickel (Original-Style)
Zutaten
- 30 ml Kirschwasser (im Original: Morand Kirsch Vieux)
- 20 ml Guignolet de Dijon von Gabriel Boudier
- 20 ml Pedro Ximénez Sherry (im Ursprung: Monteagudo PX)
- Zitronenzeste (nur ausdrücken, nicht ins Glas geben)
- 3 eingelegte Kirschen (klassisch: in Kirschbrand/Maraschino eingelegte Maraska-Kirschen)
Zubereitung
Alle Zutaten im Rührglas mit viel Eis kalt rühren. In eine vorgekühlte Cocktailschale abseihen. Zitronenzeste über dem Drink ausdrücken (die Öle sollen auf die Oberfläche, die Zeste nicht ins Glas). Mit drei Kirschen garnieren.
Geschmack in einem Satz: kirschig, dunkel, rund – aber mit genug Struktur, dass es nicht in „süß“ abrutscht.
Geschichte: Wie der Professor Langnickel entstand
Die Entstehung ist Teil dessen, was den Drink so charmant macht: 2008, in den Anfangstagen der Hamburger Le Lion Bar de Paris, stand Mario Kappes hinter dem Tresen – ein kreativer Kopf mit Präzision, der das Image der Bar entscheidend mitprägte.
Am 20. Januar 2008 kommt ein „charmantes Paar“ in die Bar, wie Jörg Meyer später notiert. Nach einem ersten Drink auf Basis von spanischem Brandy und Sherry kommt die Frage nach der nächsten Empfehlung. Die Gäste: Hans Langnickel aus Köln und seine Frau Anne.
Kappes greift zu einer Kombination, bei der man sich im Moment des Einschenkens nicht zu 100 Prozent sicher sein kann, ob sie trägt: Kirschbrand (im Original Morand), Guignolet de Dijon von Gabriel Boudier – ein intensiver, trockener Kirschlikör – und Pedro Ximénez Sherry. Und dann passiert der Klassiker jeder guten Bar-Geschichte: Der Drink funktioniert sofort – und wird in zwei, drei kleinen Handgriffen zum endgültigen Rezept „eingestellt“.
Der entscheidende Punkt: Zutatenwahl
Der Professor Langnickel ist kein Cocktail, der jede Abkürzung verzeiht. Mengenmäßig dominiert das Kirschwasser – aber der Star ist der Kirschlikör. Der Guignolet de Dijon von Gabriel Boudier ist am wenigsten austauschbar.
Und beim Destillat gilt: Es muss ein klares, eindeutiges Kirschdestillat sein – ohne Saft- oder Süßungsanteil. Zu fruchtbetonte, „weiche“ Kirsch-Spirituosen bringen die Harmonie durcheinander.
Auch der Sherry ist kein Nebendarsteller. Ein zu pappsüßer Pedro Ximénez bringt die Balance schnell aus dem Lot – entweder erschlägt er ein filigranes Kirschwasser oder zwingt zu einer unnötigen Süße. Der Drink lebt davon, dass beide auf Augenhöhe bleiben.


Wofür der Professor Langnickel gemacht ist
Der Professor Langnickel ist kein Party-Drink und kein schneller Aperitif. Er funktioniert am besten als ruhiger Shortdrink – nach dem Essen, spät am Abend oder als bewusster Gegenentwurf zu süßen Dessertcocktails. Trotz PX-Sherry bleibt er kontrolliert, strukturiert und erstaunlich trinkfreudig.
Gerade wer Kirschwasser bisher eher aus der Obstler-Ecke kennt, erlebt hier, wie elegant und modern diese Spirituose im Cocktailkontext wirken kann.
FAQ zum Professor Langnickel Cocktail
Ja. Er stammt aus der modernen Klassik der 2000er-Jahre und ist eng mit der Hamburger Barszene verbunden.
Sehr gut sogar. Alle flüssigen Zutaten lassen sich vorbereiten. Gerührt wird dann nur noch mit Eis, die Zitronenzeste kommt frisch darüber.
Der Pedro Ximénez liefert Tiefe und dunkle Süße, darf aber nie dominieren. Er ist Bindeglied, nicht Hauptdarsteller.
Er wirkt zunächst rund und gefällig, bleibt aber strukturiert. Süß im klassischen Dessert-Sinn ist er nicht.
Letzte Aktualisierung am 17.01.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API