Whisky aus dem Eismeer: Myken kommt nach Deutschland

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Sie liegt 32 Kilometer vor der norwegischen Küste, umtost vom Arktischen Ozean: die Insel Myken. Hier, wo in den kalten Monaten Nordlichter über kargen Felsen tanzen und salzige Winde an der Brennerei rütteln, entsteht seit 2014 ein Whisky, der nun den deutschen Markt erobern will. Mit Kirsch Import als Partner versucht die Myken Distillery in Deutschland Fuß zu fassen.

Whisky aus Meerwasser und offener Flamme

Was sich zunächst abenteuerlich anhört, ist bei Myken Produktionsprinzip: Gründer Roar Larsen und Trude Tokle destillieren ihren Single Malt aus entsalztem Meerwasser. In direkt befeuerten Alambics, über offener Flamme, entsteht der Spirit. Seit 2019 setzt die Brennerei verstärkt auf heimisches Gerstenmalz aus Norwegen – ein Bekenntnis zur Region, das sich im Geschmack niederschlagen soll.

Die Fermentation erstreckt sich über mehr als hundert Stunden, deutlich länger als bei den meisten schottischen Destillerien. Die Reifung findet primär in Ex-Bourbon-Fässern statt, die in der sogenannten “Whisky Cathedral” lagern – einem unisolierten Lagerhaus, das die Fässer dem extremen Klima aussetzt. Zwischen Polarsommern und brutalen Winterstürmen entwickeln die Whiskys einen Charakter, der sich von allem unterscheidet, was aus gemäßigteren Breiten kommt.

Vier Whiskys – vier Charaktere

Den Kern des Sortiments bildet der Myken Ocean Heart. Die aktuelle Edition 25/1 enthält 62 Prozent heimisches Gerstenmalz und reifte sechs Jahre in First-Fill-Bourbon-Barrels, bevor die Hälfte ein Finish in kleinen Sherry- und Bourbon-Casks erhielt. Mit 47 Prozent Alkoholgehalt abgefüllt, spiegelt er die maritime Herkunft wider: salzig-frisch, mit dezenter Vanille und einer Struktur, die zwischen Bourbon-Süße und ozeanischer Kühle changiert.

Für Torfliebhaber steht der Myken Sea Mist bereit. Diese leicht getorfte Variante (22 ppm im finalen Produkt) kombiniert ungetorftes und getorftes Malz und reifte knapp fünf Jahre zu 72 Prozent in Ex-Bourbon- und zu 28 Prozent in Ex-Pineau-des-Charentes-Fässern. Das Ergebnis: sanfter Rauch, der sich mit Vanille, Zitrusnoten und cremigem Karamell verbindet – und einem subtilen Hauch von Salz und Pfeffer.

Der Myken Autumn Gale setzt auf Sherryfässer und erhebt die Intensität auf 51 Prozent. Mit einem Phenolgehalt von 12,6 ppm wirkt dieser knapp vier Jahre alte Single Malt deutlich reifer, als er ist: dunkle Frucht, dezenter Rauch, kraftvolle Würze.

Das aktuelle Flaggschiff ist der auf 565 Flaschen limitierte Myken First 10 Jahre. Er vereint zwei First-Fill-Bourbon-Barrels der amerikanischen Maker’s Mark Distillery, die seit Mai 2015 auf der Insel reiften – teils im isolierten Raum, teils in der “Whisky Cathedral”. Mit 47 Prozent abgefüllt, repräsentiert er die Anfänge der Destillerie und zeigt, wozu eine Dekade arktischer Reifung fähig ist.

Gin und Marktstart

Komplettiert wird das Sortiment vom Myken Gin, der mit 47 Prozent und einer umfangreichen Botanicals-Liste aufwartet: Wacholder, Mädesüß, Rosenwurz, nordische Beeren (von Moltebeere bis Krähenbeere), Rhabarber, Sanddorn, Fingertang und Schottischer Liebstöckel. Ein Gin, der die arktische Flora in konzentrierter Form einfängt.

Die Preise liegen zwischen 39,90 Euro für den Gin und 134,90 Euro für den zehnjährigen Single Malt – Positionierung im Premium-Segment, die dem Aufwand und der Exklusivität Rechnung trägt.

Mit dem Einstieg bei Kirsch Import setzt die Myken Distillery auf einen Partner, der bereits zahlreiche Nischen-Destillerien erfolgreich in Deutschland etabliert hat. Der Zeitpunkt ist klug gewählt: Norwegischer Whisky genießt wachsendes Interesse, die Geschichte der Brennerei ist marketingtauglich, und die Qualität der bisherigen Abfüllungen wurde international gelobt.

Für Whisky-Enthusiasten, die nach Neuem suchen, ist Myken einen Versuch wert. Für die Brennerei selbst könnte Deutschland zum Sprungbrett werden – vom Geheimtipp zum etablierten Namen im europäischen Markt.

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