Der Eminente Rum hat sich einiges vorgenommen: Er will nicht weniger als dem kubanischen Rum zu alten Glanz verhelfen. Vorgestellt haben wir euch den Eminente Reserva und einige Drink-Empfehlungen bereits vor einiger Zeit hier im Blog. Hendrik und mir hat der Rum sehr gut gefallen, denn er ist vielseitig für Drinks einsetzbar und schmeckt auch pur prima. Er ist leicht und trotzdem komplex.

Nun habe ich von Moët Hennessy die Gelegenheit erhalten, in einem Tasting ausführlich die Hintergründe des Eminente Rums zu beleuchten und ein wenig tiefer in die Entstehungsgeschichte einzutauchen – und auch gleich die neue Abfüllung Eminente Ambar Claro zu probieren. Dazu später mehr.

Hintergründe und Details zu Spirituosen, egal wie nerdy und kleinteilig diese auch sein mögen, finde ich grundsätzlich immer spannend. So las ich damals, als ich mich das erste mal intensiv mit dem Eminente Reserva Rum beschäftigte, etwas über Aguardiente, hatte jedoch keine Vorstellung, wie das genau schmeckt. In dem Tasting konnte ich nun die einzelnen Bestandteile des Eminente Rums kennenlernen. Eine großartige Gelegenheit, denn ich bin überzeugt, erst wenn man alle Bausteine kennt, kann man das Gesamtbild vollständig verstehen.

Rum aus Kuba und César Martí

Doch zunächst noch ein paar Hintergründe zu Kuba. Denn der Eminente Rum ist eng mit den Eigenheiten der Insel verwoben. Es gibt mehr als 80 Länder, die Rum produzieren. Die meisten davon befinden sich in der Karibik. Dort gibt es im Wesentlichen drei Stile: Den britischen bzw. englischen Rum-Stil aus Melasse und mit Pot Still, den französischen Agricole-Stil, der auf Zuckerrohrsaft basiert und den spanischen Stil. Letzterer stammt aus Kuba. Die Insel gilt gemeinhin als Geburtsstätte des Rum. Hier wird seit mehr als 150 Jahren gebrannt, das Land hat eine lange Tradition in der Rum-Herstellung. Dennoch hat man in den vergangenen Jahren ein wenig den Anschluss an andere Länder verloren. Mit Eminente möchte Moët Hennessy wieder die Wahrnehmung der Kategorie verändern.

Wobei es den kubanischen Rum-Stil streng genommen gar nicht gibt. Auch dort wird überall ein bisschen anders gebrannt und interpretiert. Vereinfacht gesagt gibt es auf der Insel drei Stile: Im Westen der Insel dominiert der Okzidente-Stil – der wird vor allem durch Havana Club geprägt. Die Rums sind eher trocken und werden zum Mixen verwendet. Mojitos, Daiquiris, ihr wisst was ich meine. Die Rums hier sind vor allem jung und punchy.

Im Osten der Insel um Santiago de Cuba pflegt man einen Oriental-Stil. Die Rums hier sind eher fruchtiger, weicher und gut zum Sippen. Mehr Vanille und Holz, weniger Punch.

Im Zentrum von Kuba, also der Gegend um Villa Clara, wurde César Martí geboren. Er ist der Kopf hinter Eminente und der jüngste Rum Maestro des Landes. Er ist ein Naturtalent: Seine gesamte Familie arbeitete in der Zuckerindustrie, sodass er schon von Kindestagen an mit dem Grundprodukt von Rum in Kontakt kam. Später erlangte er einen Doktorgrad (PhD) in Chemie und somit auch ein tiefgreifendes Verständnis für die wissenschaftlichen Prozesse, die bei der Destillation und Gärung stattfinden.

Martí wollte mit Eminente einen Rum kreieren, der modern und zugleich traditionell ist, der gewissermaßen eine Brücke zwischen der ruhmreichen Vergangenheit des Landes und den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft schlägt. Der Rum sollte facettenreich und vollmundig sein, ohne in eine übertriebene Komplexität auzuarten. Inspiriert wurde Martí aus dem kubanischen Zuckerrohr eaux de vie des 19. Jahrhunderts, heißt es seitens des Herstellers. Vier Jahre habe man an dem Prototyp gefeilt, bis der Eminente Reserva fertig war.

Aguardiente

Aguardiente – das Geheimnis des Eminente Rum

Als ich mich für unseren Test mit den Hintergründen des Eminente Reserva beschäftigte, stieß ich schnell auf das Wort Aguardiente. Am ehesten kann man das mit dem brasilianischen Cachaca oder Rhum Agricole vergleichen, denn die Basis ist frischer Zuckerrohrsaft und nicht Melasse. Meist wird Aguardiente in Kuba ohne Fasslagerung mit einem relativ niedrigen Alkoholgehalt abgefüllt und günstig vor Ort verkauft. Es gibt aber selbstverständlich auch hochwertigere, gelagerte Aguardientes. Genau diese werden dem Eminente beigemengt, dadurch entsteht der charakteristische Geschmack.

Kuba ist einer der größten Zuckerrohrproduzenten der Welt. Weltweit gibt es mehr als 100 Zuckerrohr-Varianten, 72 davon findet man exklusiv auf Kuba. Technologisch zählt das Land allerdings nicht zur Speerspitze, häufig kommen traditionelle Methoden zum Einsatz. Das mag in mancher Hinsicht ein Nachteil sein, sorgt aber dafür, dass die kubanische Melasse – der Grundstoff für Rum – als eine der intensivsten der Welt gilt. Ihr finaler Zuckergehalt liegt zwischen 54 und 62 Prozent, während der Durchschnitt bei 45 Prozent liegt. Bei der Rum-Herstellung in Kuba wird ausschließlich Zuckerrohr aus dem eigenen Land verwendet, auch das ist eine Besonderheit.

Der Aguardiente, der im Eminente zum Einsatz kommt, wird mit 75 %vol destilliert. Viel Aroma, noch mehr Power. So hat man seinerzeit vor der Industrialisierung Rum getrunken. Das ist genau jenes eaux de vie, an dem sich Martí orientiert. Damit ein Rum in Kuba das D.O.P.-Siegel erfüllt – die Abkürzung steht für „Denominacion de Origen Protegida“ oder auch „D.O.P. Ron de Cuba“ -, sich also offiziell kubanischer Rum nennen darf, muss am Ende ein Minimalanteil von 8 Prozent Aguardiente enthalten sein.

Martí entschied sich jedoch, das Zuckerrohrsaft-Destillat zum zentralen Bestandteil seines Rums zu machen und erhöhte den Anteil beim Eminente Reserva auf üppige 70 Prozent, beim Ambar Claro sind es 30 Prozent. Zudem erhöhte man die Lagerzeit: Vorgeschrieben ist in der ersten von insgesamt zwei Lagerzeiten ein Minimum von zwei Jahren, beim Reserva beträgt diese Lagerzeit sieben Jahre, beim Ambar Claro immerhin drei Jahre. In der zweiten Phase verlangt die D.O.P. weitere sieben Jahre. Der jüngste Bestandteil ist somit sieben, der älteste bis zu 14 Jahre alt beim Eminente Reserva Rum. Die gereiften Aguardientes werden beim Eminente anschließend mit Light Rum verschnitten, der mit 95 %vol destilliert wird.

Eminente Ambar Claro – Tasting Notizen

An dieser Stelle noch einige Worte zum Ambar Claro. Es handelt sich um die zweite Abfüllung der Marke mit einer kürzeren, dreijährigen Reifungszeit. Im Einzelhandel ist die Flasche bislang nicht zu bekommen, bislang wird der Ambar Claro ausschließlich in der Gastronomie vertrieben. Ob sich das in naher Zukunft ändert und der Amber Claro auch im Fachhandel vertrieben wird, ist nich nicht entschieden.

Die Farbe des Rums ist heller und strohgold. In der Nase dominieren fruchtige Aromen von Äpfeln, Birnen, Kamille und Vanille, dazu dezent Gewürze. Geschmacklich ist der Ambar Claro deutlich leichter als der Reserva und erinnert an ein fruchtiges Gebäck. Dieser Rum wurde zum Mixen entwickelt, ich kann mir damit ausgezeichnet Mojitos und Daiquiris vorstellen.

Melasse-Probe

Bild 7 von 7

Melasse ist ziemlich dickflüssig und klebrig.

Eminente: Die edle Konkurrenz zu Havana Club?

Ein Rum ist drei und der andere sieben Jahr alt – der Vergleich zu Havana Club, dem großen Mitbewerber von der Insel, drängt sich damit geradezu auf. Doch man habe die beiden Eminentes nicht als direkte Herausforderer konzipiert, beteuert man auf Nachfrage im Tasting. Havana Club 7 habe einen völlig anderen Umgang mit den Zutaten, was Lagerungszeit und den Anteil an Aguardiente angeht, weil dieser Rum in ganz anderen Dimensionen produziert wird. Mit einem Anteil von 70 Prozent Aguardiente hebt sich Eminente vom Rest der Hersteller auf der Insel ab, die sich in der Regel mit maximal 15 Prozent begnügen. Wie hoch der exakte Anteil bei Havana Club ist, weiß ich nicht.

Eminente sieht sich eher als Craft-Marke mit vergleichsweise überschaubarer Stückzahl. Genaue Zahlen zur produzierten Größenordnung wurden leider nicht genannt. Dass man nicht die direkte Konfrontation sucht zeigt sich letztendlich auch im Preis: Der Eminente Reserva kostet um die 45 bis 50 Euro, den Havana Club 7 Anos bekommt man dagegen bereits für etwa 20 bis 25 Euro. Auch der Ambar Claro ist mit etwas mehr als 30 Euro in einer ganz anderen Preisklasse.

Die Zukunft von Eminente Rum

Zum Schluss des Tastings warf man noch einen kurzen Blick in die Glaskugel und die Zukunft der Marke. Beide bereits erhältlichen Abfüllungen sehe man lediglich als ersten Schritt einer langen Reise. Zwar sei die Entwicklung sehr komplex gewesen, doch nun experimentiere man bereits mit weiteren Varianten, heißt es.

Es würde mich nicht überraschen, wenn man im kommenden Jahr – derzeit peilt man einen Marktstart des noch unbekannten Produktes für 2022 an – eine noch länger gelagerte (und damit noch kostspieligere) Abfüllung zu sehen bekommt. Denkbar wäre eine Abfüllung im Stil des Havana CLub Seleccion de Maestros, mit einem etwas höheren Alkoholanteil (45 %vol) und längerer Reifung. Womöglich gibt es sogar einen Rum mit klarem Age Statement, etwa 10 oder gar 12 Jahre? Man werde allerdings nicht hunderte von Varianten auf den Markt bringen und ständig neue Limited Editions lancieren. Das sei nicht der Eminente-Style, den man anvisiere.

Ein mögliches Szenario sind auch Abfüllungen mit speziellen Fass-Finishes. Damit experiere man derzeit bereits, gab man auf Nachfrage zu. Man habe sogar bereits begonnen, Fässer nach Kuba zu importieren. Allerdings sei es nicht einfach, in Kuba – welches immer noch unter strengen Handelsrestriktionen leidet – eine ausreichende Zahl von Fässern bereitzustellen. Die Tradition ist hier immer noch sehr stark. Dabei ist César Martí mit seinem Doktor in Chemie doch wie gemacht für das Experiment Fass-Finish! Es dürfte also keine Frage des ob, sondern nur des Zeitpunktes sein. Wir sind auf jeden Fall schon sehr gespannt!

Das waren die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Eminente-Tasting, die wir mit euch teilen wollen. Was denkt ihr über kubanischen Rum im Allgemeinen und den Eminente Reserva im Speziellen, falls ihr ihn bereits probiert habt? Schreibt uns gerne in den Kommentaren – wir freuen uns immer über Feedback und eure Eindrücke.

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